Peinliche Gespräche gibt es täglich. Vier Augsburger Studenten sammeln sie

Die Blamage lauert überall. Bei einem Treffen mit guten Freunden, einem Ausflug oder in dieser Augustnacht in Münster: Zwei Frauen, beide um die 20, beide attraktiv, gehen an der Schlange vor einem Geldautomaten in einem Kneipenviertel vorbei.

"Hey! Geiler Arsch!", baggert es aus der Menge. Eine dreht sich um.
"Halt die Klappe, Jan!"
"Hä? Woher kennst du mich?"
"Wir waren mal zwei Wochen zusammen!"

Pech für Jan, Glück für die Umherstehenden – und für Thomas Neumann. "Die Realität schreibt einfach die besten Witze", sagt der 21-Jährige, der in Augsburg Europäische Kulturgeschichte studiert und zusammen mit drei Kommilitonen die Internet-Seite Belauscht.de betreibt. Ein Sammelbecken für bizarre oder peinliche Gespräche, aufgeschnappt in Zügen, Cafés oder auf der Straße, aufgeschrieben für den Rest der Republik.

"Wir sind alle gerne Voyeure, uns macht das Zuhören gerade dort Spaß, wo wir eigentlich besser weghören sollen – und das Weitererzählen natürlich auch", erklärt Thomas die Lust am Lauschen. Über die Abfuhr am Geldautomaten muss er seit Wochen jeden Tag aufs Neue lachen. Ursprünglich kommt die Idee für den kleinen Lauschangriff aus den USA: Seit drei Jahren boomt in New York die Seite Overheard . Es folgten London, Dublin, Nairobi, Finnland, Indien, Bukarest und Athen. "Als wir merkten, dass es die Idee in Deutschland noch nicht gibt, haben wir die Seite innerhalb einer Woche gebaut", sagt der Student.

Bis zu zehn Dialogfetzen landen pro Tag auf den Computerbildschirmen von Thomas, Krischan, Nico und Felix. Die mitgehörten Konversationen werden auf Authentizität geprüft und dann online gestellt. Meist sind es Schüler und Studenten, die die Lauscher spitzen, einmal hat ein Mann seine ganze Sammlung geschickt, zusammengetragen in vielen Jahren.