Aufruf für eine "Exzellenzinitiative für die Lehre"

Die Lehre ist seit Jahrzehnten das Stiefkind der deutschen Hochschulen. Eine Ursache dafür ist der chronische Geldmangel, unter dem die Universitäten und Fachhochschulen leiden. Mittlerweile studieren in Deutschland rund zwei Millionen Menschen; doch die Politik hat auf die wachsende Studentenzahl bis heute keine Antwort gefunden.

Viele engagierte Hochschullehrer versuchen nach Kräften, das Beste aus dieser Situation zu machen. Ihnen ist es zu verdanken, dass die Hochschulausbildung noch einen guten Ruf genießt und viele Studenten gern studieren.

Auch unter engagierten Professoren und Dozenten wächst der Unmut über jene Kollegen, die die knappen Kassen als Rechtfertigung für ihr eigenes Versagen missbrauchen – sie kümmern sich zu wenig um die Lehre und tun nichts, um die Lage zu verbessern.

Seminare sind überfüllt, Vorlesungen bieten wenig Neues, Sprechstunden fallen aus – diese Symptome haben mindestens ebenso viel mit falschen Prioritäten im Hochschulsystem zu tun wie mit der schon sprichwörtlichen chronischen Unterfinanzierung: Das Ansehen eines Wissenschaftlers hängt vor allem an seinen Forschungsleistungen und seinen Publikationen. Das zeigt sich im Berufungsverfahren und in der Ausbildung junger Wissenschaftler – die Lehre spielt hier eine zu geringe Rolle. In der Exzellenz-initiative von Bund und Ländern wurde zudem nur die Forschung gefördert.

Zu viele Wissenschaftler haben sich in diesem System eingerichtet. Sie vernachlässigen die Lehre und tragen ihre Vorlesungen aus Lehrbüchern vor, anstatt neue Forschungsergebnisse zu präsentieren. Sie verschanzen sich in einem Elfenbeinturm, zu dem nur ein kleiner Zirkel Zugang hat. Sie entwickeln keine pädagogische Leidenschaft und begeistern zu wenige Studenten für ihr Fach und die Wissenschaft.