Hannah Herzsprung, 25, spielt in "Vier Minuten"eine Pianistin, die wegen Mordes im Knast sitzt. Seitdem kann sie auch Klavier spielen

ZEIT Campus: Für die Rolle wurde eine Pianistin gesucht. Sie haben sie bekommen – obwohl Sie nicht einmal Klavier spielen konnten.

Hannah Herzsprung: Mir war vorher nicht bewusst, wie wichtig das Klavier für die Rolle ist: Im Film sieht man mich nur an vier Stellen wirklich spielen, und ich dachte – na ja, ist ja auch Film, das kann man hinkriegen. Beim Casting habe ich gesagt: Ich habe als Kind Klavier gespielt. Ich hatte aber nur drei Klavierstunden, und da war ich sechs.

ZEIT Campus: Wann kam das raus?

Herzsprung: Ich hatte die Rolle schon und musste dann nach Berlin zum Vorspielen. Es war eine Klavierlehrerin dabei, ich dachte "Oh Gott" und habe dann den Flohwalzer gespielt, das war das Einzige, was ich in der Situation konnte. Ich habe versucht, ihn möglichst enthusiastisch zu spielen, aber Chris Kraus, der Regisseur, war wirklich sehr, sehr schockiert. Ich hatte dann eine Testwoche: Jeden Tag Unterricht, und meine Lehrerin musste anschließend entscheiden, ob ich überhaupt fähig bin, mir das in der kurzen Zeit anzueignen. Und dann habe ich fünf Monate lang jeden Tag drei Stunden geübt, zweimal die Woche Klavierunterricht gehabt. Nicht nur, um mir die Stücke beizubringen, sondern auch um die richtige Haltung zu lernen, Fingergefühl, alles.

ZEIT Campus: Sie haben in diese Rolle sehr viel Zeit investiert. Wieso?

Herzsprung: Ich bin sehr ehrgeizig, und ich wollte diese Rolle unbedingt haben. Das war für mich ja auch eine neue Erfahrung: erste Hauptrolle, erster Kinofilm. Ich war ein bisschen nervös, ob das alles funktioniert, ob ich auf der Leinwand auch überlebe. Deswegen war es ein bisschen wie mit einer Prüfung. Da trete ich auch nicht an, wenn ich nicht genug gelernt habe.

ZEIT Campus: Nebenbei studieren Sie Kommunikationswissenschaften. Leiden Sie da an Prüfungsangst?