Schon wieder habe ich zu Weihnachten nicht das bekommen, was ich auf dem Wunschzettel notiert hatte: einen Umhang, mit dem ich mich endlich an zwei Orte gleichzeitig beamen kann. Und immer, wenn ich mich mal wieder zweiteilen können müsste, würde ich ihn überstreifen und die Gesetze von Raum und Zeit einfach ignorieren. Im Sommer könnte ich dann im Freibad in der Sonne liegen und zugleich in der Uni den Prof von meinen Qualitäten überzeugen. Oder ich würde mit meinem in China weilenden Liebsten durch Peking bummeln und parallel meinen Umzug nach Jakarta durchziehen. Oder den Marsch durch die Instanzen beim Bafög-Amt erledigen und zur selben Zeit die Chor-Probe besuchen. Doch ob ich das dann wirklich zu schätzen wüsste? Wie heißt es in dem Chanson, den Marlene Dietrich mal sang? "Aber wenn ich ständig glücklich wär’, hätt’ ich Sehnsucht nach dem Traurigsein." Aufgezeichnet von Tonio Postel

Milena Seibold, 23, hat in Passau Kulturwirtschaft und in London Internationale Politik studiert. Jetzt geht sie für ein Praktikum bei der Weltbank nach Jakarta, Indonesien.

Und wovon träumen Sie? Der Tagtraum "