Zwischen wild wachsenden Zimmerpflanzen, einer Waschmaschine und verschiedensten Schränken mit Geschirr und Töpfen steht in der WG-Küche des Hamburger Geografie-Studenten Simon Brinkrolf ein gut fünfzig Jahre altes Sofa. Es ist in einem braunen, längst verblichenen Wollstoff bezogen und besitzt dennoch einen Wert, den man anfangs schnell verkennt: Dieses Sofa hat vermutlich schon weit mehr zur Völkerverständigung beigetragen als manch ein Politiker.

Der Grund klingt zunächst seltsam: Die Couch ist Teil eines 207 Länder umspannenden Netzwerks von über 230.000 Sofas, Gästebetten oder Matratzen, deren Besitzer sich über das Internet zusammengeschlossen haben und einander kostenlos aufnehmen – ohne sich zu kennen. Dieses Netzwerk heißt passend: Hospitality Club.

Simon und seine Mitbewohnerin Rebekka sind Mitglied in dem virtuellen Verein, und der Gästestrom wird über einen Besucherkalender organisiert. Knapp hundert Menschen aus allen Ecken der Welt haben schon auf der Küchencouch geschlafen, geschnarcht und in den unterschiedlichsten Sprachen geträumt – Chinesen und Brasilianer, Letten und Amerikaner, Rumänen und auch Deutsche.

In dieser Nacht dient der Dreisitzer der deutsch-australischen Verständigung: Die 23-jährige Krista Woodman und ihr Freund Jay Macgechan aus Brisbane sind gerade angekommen. Noch etwas unsicher sitzen die fremden Gäste mit den Studenten um den Küchentisch und beäugen ihr neues Quartier. "Es ist das erste Mal, dass wir über die Online-Community irgendwo übernachten", erzählt Krista auf Englisch. "Für uns war es im ersten Augenblick kaum vorstellbar, dass fremde Menschen uns aufnehmen, ohne uns zu kennen, denn bis auf ein paar E-Mails und das Onlineprofil gibt es nichts, um einander einzuschätzen." Aber ausprobieren wollten sie es trotzdem, schließlich koste die Übernachtung ja nichts, sagt die Australierin. Auf ihrer Europareise kommt den beiden die alte Küchencouch sehr gelegen.

Damit geht es ihr wie vielen der weltweit 230.000 Mitglieder. Die haben mindestens drei Dinge gemeinsam: Sie reisen viel, geben ungern Geld für Hotels aus und interessieren sich besonders für andere Menschen und Kulturen. Deshalb bieten sie einander einen Schlafplatz an.