November 1991: Student Hannes steht am Mensatresen und bestellt Stammessen 1. Hinterher trinkt er einen Kaffee und raucht zwei Zigaretten. 4,90 Mark kostet das Ganze, umgerechnet rund 2,50 Euro. Heute zahlt er für das gleiche Mittagsmahl 3,80 Euro. März 2007: Student Mark braucht einen neuen Computer und macht sich auf den Weg zum Elektromarkt. 450 Euro legt er am Ende für ein einfaches Modell samt Bildschirm auf den Tisch. Kommilitone Hannes musste 1991 für eine ungleich schlechtere Ausstattung noch mehr als das Dreifache bezahlen.

Zwei Momentaufnahmen studentischen Lebens, 16 Jahre liegen dazwischen. Doch wer von beiden hat mehr Geld? Treffen die Studiengebühren den akademischen Nachwuchs wirklich so hart, oder studiert es sich heute luxuriöser als damals? Um es gleich vorwegzunehmen: Eine statistisch stichfeste Antwort für ganz Deutschland gibt es nicht. Denn der absolute Durchschnittsstudent existierte damals so wenig wie heute. Je nach Studienort und Bundesland, Studienfach und Alter unterscheiden sich die Einnahmen und Ausgaben enorm. Schon die Preise eines Mensa-Stammessens schwanken zwischen 1,50 und 3,50 Euro, ein einfacher Rechner kostet inzwischen nur 300, ein guter Laptop 1200 Euro.

Der studentische Konsum ist kaum erforscht, einen Anhaltspunkt liefert der Verbraucherpreisindex, den das Statistische Bundesamt mit Hilfe des Warenkorbes ermittelt: Rund 750 Produkte werden hier über einen längeren Zeitraum verglichen. Der Wert dieses Warenkorbs stieg von 1991 bis 2006 um rund 30 Prozent. Allerdings lässt sich sein Inhalt nicht ganz auf studentisches Leben übertragen: Der Index zeigt die Kostensteigerungen für eine Familie, nicht für jemanden, der kein neues Auto kauft, dafür aber viel ausgeht und in Studentenstädten hohe Mieten zahlt.

So stecken Studenten laut der 17. Sozialerhebung der Studentenwerke einen Gutteil ihres Geldes in die Miete: 250 Euro sind es heute inklusive Nebenkosten, 1991 waren es noch 162. Ein Anstieg um rund 54 Prozent also. Aber: Die regionalen Unterschiede waren und sind gewaltig. Laut einer Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung zahlen Studierende zwischen 5,20 und 5,50 Euro pro Quadratmeter, wenn sie in Schmalkalden, Görlitz oder Zwickau leben – in München, Heidelberg oder Frankfurt kostet der Quadratmeter oft mehr als zwölf Euro.

Die Einnahmen der Studenten sind klarer zu fassen. 2003 hatten sie 767 Euro in der Tasche, 1991 waren es 561 – eine Steigerung von 36,7 Prozent. Im Vergleich zu den gestiegenen Konsumkosten des Warenkorbs haben die Studenten also mehr Geld. Aber das sind Durchschnittswerte: Die 23 Prozent der Studenten, die über 900 Euro zur Verfügung haben, lassen sich kaum mit den 27 Prozent vergleichen, die weniger als 500 Euro ausgeben können.