Bisher zählte für den Ruf einer Uni nur die Forschungsleistung. Eine wachsende Koalition will das jetzt ändern – und die Studenten in den Mittelpunkt rücken.

Klar wollte er für ein bisschen Aufsehen sorgen, das gibt Markus Voeth gerne zu. Mit so einem Rummel hat der BWL-Professor allerdings nicht gerechnet, als er Anfang des Jahres seine "10 Service-Versprechen" in einem feierlichen Akt an die Wand seines Instituts hängte. Seitdem steht das Telefon am Lehrstuhl für Marketing der Uni Hohenheim selten still. Journalisten bitten um Interviews, begeisterte Studenten wollen ihr Lob loswerden, und Kollegen von anderen Hochschulen fragen, ob sie seine Idee kopieren dürfen.

Klausurkorrekturen innerhalb von vier Wochen, Vorlesungsunterlagen spätestens eine Woche vor der Veranstaltung, E-Mail-Antworten innerhalb eines Werktages – mit diesen und sieben weiteren Selbstverpflichtungen für "exzellenten Service" will Voeth seinen Studenten einen Ausgleich für die Studiengebühren bieten, die sie von diesem Sommersemester an zahlen müssen. Und ein Zeichen setzen: "Für mich als Wissenschaftler ist die Ausbildung der Studenten genauso wichtig wie die Forschung."

Einen besseren Zeitpunkt für seine plakative Aktion hätte sich der 39 Jahre alte Wirtschafts-wissenschaftler nicht aussuchen können. Denn an Deutschlands Massenuniversitäten formiert sich eine neue Bewegung: Eine wachsende Zahl von Professoren, Studenten und Bildungspolitikern will die systematische Vernachlässigung der Lehre nicht länger hinnehmen. Hinter der überfälligen Neuausrichtung steckt jedoch nicht nur das Verantwortungsgefühl einer neuen, meist jüngeren Generation von Hochschullehrern, sondern vor allem nüchternes Kalkül. Bislang entschied fast ausschließlich die Forschungsleistung über die Reputation von einzelnen Professoren und Universitäten, jetzt führen europaweit gültige Studienabschlüsse und Studiengebühren zu einem zunehmenden internationalen Wettbewerb um die besten Studenten – und die erwarten zu Recht eine vernünftige Betreuung. Miese Vorlesungen, verschlampte Hausarbeiten und ausgefallene Sprechstunden, vielerorts immer noch die Regel, könnten sich so in Zukunft als karriereschädlich erweisen.

Im Moment ist das noch umgekehrt: Wer sich vor allem für das Wohl seiner Studenten engagiert, hat das Nachsehen. Denn auf die begehrten Lehrstühle berufen werden die anderen, die mit den langen Publikationslisten – eine der großen Ungerechtigkeiten im akademischen Betrieb. Um mit dieser Ungleichbehandlung Schluss zu machen, loben immer mehr Universitäten Wettbewerbe für hervorragende Lehre aus. So will die jüngst umbenannte "Leuphana Universität Lüneburg" von jetzt an jedes Semester die zehn innovativsten Lehrveranstaltungen mit je 5000 Euro auszeichnen. In der Jury sitzen zwei Studenten, zwei externe Experten – und nur eine Professorin. Finanziert wird der Preis aus den Mitteln, die durch die Studiengebühren hereinkommen. "Es ist das Geld der Studierenden, darum belohnen wir damit die Professoren, die sich besonders um sie kümmern", sagt Lüneburgs Präsident Sascha Spoun.

Private Stiftungen und Verbände engagieren sich in Zusammenarbeit mit den Universitäten schon seit längerer Zeit für mehr Qualität in der Lehre: So prämierte die Claussen-Simon-Stiftung kürzlich zum sechsten Mal Hamburgs besten Doktorvater. Der mit immerhin 25000 Euro dotierte Preis für Mentorship ging an den Neurowissenschaftler Christian Büchel, der von zwei seiner früheren Doktoranden vorgeschlagen wurde, als Dank für seine vorbildliche Betreuung.

Auch die Bundesländer schreiben inzwischen immer mehr Wettbewerbe aus, um herausragende Lehrleistungen öffentlich zu machen und damit auf eine Stufe mit Aufmerksamkeit erregenden Forschungserfolgen zu stellen. Den bislang großzügigsten Preis hat kürzlich der hessische CDU-Wissenschaftsminister Udo Corts für die Hochschullehrer seines Landes ausgelobt: 375000 Euro für exzellente Leistungen bei der Ausbildung, Beratung, Betreuung und Prüfung der Studenten. "Wir haben in dem Bereich in Deutschland einen riesigen Nachholbedarf", sagt Corts.

Die wichtigste politische Initiative der vergangenen Wochen geht noch einen Schritt weiter. Der derzeitige Präsident der Kultusministerkonferenz, der Berliner Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), hat seinen Ministerkollegen eine Neuauflage des bundesweiten Elitewettbewerbs vorgeschlagen – diesmal jedoch mit dem Schwerpunkt Lehre. Davon, so Zöllner, würden nicht nur die prämierten Hochschulen profitieren, sondern auch die Studenten, die sich besser orientieren könnten. "Wir brauchen einen Ruck, der durch die Hochschulen gehen muss: die Erkenntnis, dass es sich lohnt, den Studenten ein gutes Angebot zu machen." Die neue Exzellenzinitiative soll nach Zöllners Vorstellungen noch in diesem Jahr starten.