Wer in der Sprechstunde einen guten Eindruck machen will, sollte etwas zu sagen haben. Oder wenigstens seine Tiere zu Hause lassen, meint unser Kolumnist

In fünf Minuten beginnt meine Sprechstunde. Ich stecke vorsichtig den Kopf aus der Tür und sehe sieben Studenten mit fahlen Gesichtern unter einer erratisch zuckenden Neonröhre auf der Bank vor meinem Büro. Ich lasse den Ersten rein. Er will sein Referatsthema absprechen. Ich frage, warum er sich das Thema nicht im Kurs ausgesucht hat. "Ich komme nicht zum Seminar", sagt er, "um die Zeit jobbe ich. Ist doch nicht meine Schuld, dass ich keine reichen Eltern habe, oder?"

Tief durchatmen, der Nächste. Er lächelt mich freundlich an, rückt dann mit der Sprache raus: "Sie kennen doch die Maria aus Ihrem Kurs. Ja, und wissen Sie, ich wollte Sie fragen, ob Sie es einrichten könnten, dass ich mit ihr ein Referat mache." Der Dritte hat nicht einmal eine Tasche dabei. "Ich bin es, endlich, ich wollte jetzt Ihren Kommentar zu meiner Seminararbeit von 2005 hören. Welches Seminar das war? Weiß ich auch nicht mehr genau. Aber vorne saß immer dieser Dicke." Die Vierte hat einen eigenen Ordner für meinen Kurs, außer dem Seminarplan ist aber nichts drin. "Ich konnte die letzten Wochen nicht kommen. Ich hab schon gehört, dass ich nicht viel verpasst habe, aber sagen Sie noch mal, was in der Prüfung drankommt?" Der Nächste sagt schlicht: "Ich wollte mir ein Thema für die Dissertation abholen. Haben Sie da eine Liste, oder wie geht das?" Dann eine junge Studentin: "Herr Professor, ich habe mich in Sie verliebt. Ich darf doch Fritz sagen…" Und schließlich ein Kerl im Parka: "Darf mein Hund während der Vorlesung bei Ihnen im Zimmer bleiben? Draußen wird er so wild."

Ich übertreibe nicht. Das habe ich alles erlebt. Manchmal gibt es kleine Lichtblicke wie die schüchterne Studentin, die sagte: "Ich bin neu in Ihrem Kurs und wollte mich vorstellen." Wir Profs freuen uns nämlich wirklich, die Studierenden kennenzulernen. Und wären die Sprechstunden nicht so überlastet mit den hoffnungslosen Fällen, wäre das auch gut möglich.

Professor Fritz Breithaupt, 39, lästert in ZEIT CAMPUS regelmäßig über den Uni-Alltag. Er lehrte Germanistik in Hamburg, Mannheim und an der FU Berlin und arbeitet nun an der Indiana University in Bloomington, USA.

Diskutieren Sie mit Fritz Breithaupt unter www.zeit.de/campus/sprechstunde