Der erste Tag ist überstanden, der Name des einen oder anderen neuen Kollegen hängen geblieben, und einen ungefähren Überblick über die neue Praktikumsstelle hat man auch. Nachdem sich die erste Aufregung gelegt hat, sollte man nun genauer hinschauen – und um die acht größten Fallen am besten einen großen Bogen machen.

1. Die Kaffee-Falle : Man startet höchst motiviert, will zeigen, was man alles draufhat – und holt dann doch nur wieder die Brötchen vom Bäcker, erledigt Botengänge oder kocht Kaffee. Grundsätzlich ist gegen die ein oder andere Nebenbeschäftigung nichts einzuwenden, "solange es nicht die ausschließliche Tätigkeit ist", sagt Bettina König von fairwork, einem Zusammenschluss von Hochschulabsolventen, der für faire Bedingungen im Praktikum eintritt. Auch die fest angestellten Mitarbeiter müssen schließlich unliebsame Aufgaben erledigen – und wenn sich der Praktikant anbietet, ihnen diese Last abzunehmen, werden sie ihm das positiv anrechnen.

Gerade in der ersten Woche sollte man den Botengang nicht als Missachtung der eigenen Fähigkeiten auffassen – da wissen die Kollegen den neuen Praktikanten oft noch nicht einzuschätzen. Durch erfolgreich bewältigte kleine Aufgaben kann man sich aber schnell von der Kaffeemaschine emanzipieren. Nehmen Hilfsarbeiten jedoch dauerhaft überhand, sollte man sich an den Betreuer im Betrieb wenden.

2. Die Stress-Falle : Denkbar ist auch das andere Extrem: Der eine Kollege bringt diese, der andere jene Aufgabe. Hier gilt es, auch mal Nein zu sagen. Das wird einem keiner übel nehmen, zeigt es doch, dass man seine Kräfte realistisch einschätzen kann. Als Praktikant ist man immerhin zum Lernen da – und muss sich nicht schämen, wenn man mit dem Tempo der Kollegen nicht in allen Fällen mithalten kann.

3. Die Timing-Falle : Nur der Chef selbst kann helfen? Aber er rennt hektisch durchs Büro und zieht die Mundwinkel in einem schwungvollen Halbrund nach unten? Eindeutig: ein schlechter Zeitpunkt für ein Gespräch. "Praktikanten sollten möglichst rasch den Arbeitsrhythmus rausfinden und nicht ankommen, wenn es gerade total unpassend ist", sagt Gerd Nowakowski, Ressortleiter beim Berliner Tagesspiegel . Es gibt meist feste Zeiten für Konferenzen und Besprechungen. Kurz davor ist immer ein schlechter Zeitpunkt für Vieraugengespräche. Außerdem sollte man sich fragen, ob es wirklich der Chef sein muss, den man anspricht. Wenn ja: Bei absehbaren Themen frühzeitig einen Termin besorgen.

4. Die Läster-Falle : Der Arbeitsplatz ist ein Mikrokosmos, an dem nicht nur gearbeitet, sondern auch gefeiert, gelacht und gelästert wird. Lästern schweißt die Beteiligten zusammen, wer als Praktikant mitmacht, fühlt sich schnell als Teil der Gemeinschaft. Solange man jedoch nicht hinter das Beziehungsgefüge im Betrieb blickt, ist Zurückhaltung besser. "Manche meinen sogar, uns Festangestellte gegeneinander ausspielen zu können", sagt Markus Peick, der beim 3sat-Magazin nano als Onlineredakteur arbeitet und Praktikanten betreut. "Das bringt aber nichts, eher prägt es das Bild vom Praktikanten" – und fällt negativ auf ihn zurück.

5. Die Langeweile-Falle : Onlinepoker, Flirten mit der Mitpraktikantin oder eine ausgiebige Mittagspause – es gibt viele Möglichkeiten, sich die Zeit zu vertreiben. Ein sinnvolles Praktikum sieht jedoch anders aus. Und da zwei, drei Monate schnell vergehen, sollte man am Anfang nicht zu viel Zeit verbummeln, am Ende ärgert man sich sonst. "Wer nicht genug zu tun hat, sollte unbedingt jemanden ansprechen. Es gibt nichts Ärgerlicheres, als wenn einer sein Praktikum absitzt", sagt Markus Peick. Und wenn trotzdem mal Leerlauf eintritt: Eigene Ideen überlegen und Kollegen fragen, ob man ihnen über die Schulter gucken oder kleine Arbeitsabläufe abnehmen kann – die Kollegen freuen sich, und meistens ergeben sich daraus viele neue Gelegenheiten und Projekte.