In den letzten Wochen des Praktikums wird das Geld meist knapp. Wer die höchsten Gehälter zahlt und warum der letzte Tag so wichtig ist

1) Praktikanten verdienen im Durchschnitt 500 Euro: Wo es wie viel Geld gibt

Die letzten Wochen des Praktikums sind eigentlich die schönsten. Statt der Überforderung der ersten Tage macht sich endlich eine entspannte Routine breit. Wäre da nicht der erschrockene Blick auf das Minus vor dem Kontostand! Wer neben dem Praktikum keine Zeit für einen Nebenjob hat und für ein bisschen Taschengeld von Mama und Papa zu stolz ist, der geht mit fortschreitender Dauer des Praktikums langsam, aber sicher pleite. Die Armut ist das natürliche Schicksal jedes Praktikanten.

Einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) zufolge verdient ein Praktikant im Schnitt 566 Euro pro Monat, eine Praktikantin hingegen nur 307 Euro. Ob das daran liegt, dass Frauen eher geisteswissenschaftliche Fächer studieren und deshalb Praktika in brotlosen Branchen absolvieren, wurde nicht erforscht. Sicher ist nur: Von solchen Niedriglöhnen kann niemand leben, zumal 47 Prozent der untersuchten Praktika vollkommen unbezahlt waren.

Auch zwischen den Branchen gibt es große Unterschiede: Die Personalvermittlungsagentur alma mater verglich kürzlich die Praktikantengehälter von 238 Unternehmen in ganz Deutschland. Das Ergebnis: Am meisten zahlen Elektrotechnikfirmen, nämlich durchschnittlich 747 Euro pro Monat; Ämter und Behörden zahlen im Schnitt am wenigsten, nämlich 396 Euro.

Wie wenig Praktikanten wirklich verdienen, zeigt auch eine Umfrage von ZEIT Campus : Praktikanten im Deutschen Bundestag, beim ZDF und bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz verdienen gar nichts. Die FAZ zahlt an ihre Redaktionshospitanten 100 Euro, der Naturschutzverein BUND 360 bis 460 Euro und die Werbeagentur Neue Digitale 400 Euro. Vergleichsweise opulente Gehälter zahlen die Anwaltskanzlei Linklaters (500 Euro) und die Deutsche Bank (800 Euro). Bei Siemens bekommen Praktikanten zwischen 300 und 600 Euro monatlich.

Wer vorhat, sich um einen Praktikumsplatz zu bewerben, muss sich also fragen, ob er sich ein Praktikum überhaupt leisten kann. In Deutschland entscheidet oft das Einkommen der Eltern über die Zahl der Praktika und damit auch über die Berufschancen. Schließlich zahlt ein deutscher Durchschnittsstudent rund 250 Euro Miete im Monat. Einem Praktikanten bleiben im Schnitt also nur 306 Euro, einer Praktikantin nur 57 Euro. Zum Vergleich: Hartz-IV-Empfänger bekommen 345 Euro.

Was also tun, wenn der Kühlschrank leer ist und die ersten Mahnungen im Briefkasten liegen? Eine Gehaltserhöhung fordern? Riskant! Es gibt leider immer Konkurrenten, die dasselbe Praktikum gratis machen. Einen Kredit aufnehmen? Schulden erwarten einen früh genug. Was dann?