Ratgeber und beste Freunde empfehlen alles Mögliche. Aber was hilft wirklich? Unsere Kolumnistin Elke Michel testet kreative Lösungsansätze. Diesmal: Der Wetter-Smalltalk

Wenn man auf Partys oder im Aufzug fremden Menschen begegnet, spricht man oft über das Wetter. Das Wetter war früher das München unter den Smalltalk-Themen: ein wenig bieder, doch jedem fiel dazu etwas ein. Seit es nun aber unserem Klima so schlecht geht, neuerdings sogar in den USA, hat sich dieser Smalltalk verändert. Die Leute sagen nicht mehr platt: "Boah, ist das heiß heute!" Sondern: "Wenn die Chinesen weiter mit Kohlendioxid heizen, versickern die afrikanischen Seen und fließen unterirdisch nach Bangladesch." Man fachsimpelt jetzt über Klima- und Wetterzusammenhänge, alle scheinen sich auszukennen. Ich wollte da auch mitmachen.

Zuerst suchte ich in Smalltalk-Büchern nach geeigneten Phrasen. Doch die Sätze, die dort empfohlen werden, sind total veraltet und klingen so reflektiert wie ein Sonett von Paris Hilton. "Ob es diesen Sommer wieder so herrlich warm wird?" Oder: "Ich möchte bloß wissen, wer für dieses Wetter verantwortlich ist?" Um künftig noch mitreden zu können, stieg ich also in die Klimaforschung ein – und kaufte einen Wetter-Experimentierkasten für Kinder.

Mein erster Versuch sollte zeigen, dass Salz Eis zum Schmelzen bringt: Man berührt einen Eiswürfel, der in kaltem Wasser schwimmt, mit einer Schnur. Bestreut man ihn nun mit Salz, schmilzt er kurz, friert dann am Faden fest und lässt sich aus dem Wasser ziehen. Meine Klima-Talk-Sätze, die ich aus dem Experiment ableitete:

1. "Der Einfluss der Bindfaden-Industrie auf das Verschwinden der Pole wird bisher unterschätzt, finden Sie nicht?"

2. "Wenn die am Nordpol weiter so streuen, brauchen sie sich nicht zu wundern, wenn sie irgendwann von George W. Bush geangelt werden."

Mit diesen Phrasen, dachte ich, komme ich auf der nächsten Party schon mal mit total interessanten Leuten ins Gespräch, zumindest aber mit Schnurfabrikanten, Völkerrechtlern oder Eiswürfelsammlern.

Ermutigt führte ich das nächste Experiment durch. Befestigte einen drehbaren Pfeil auf einem umgestülpten Miniblumentopf und ermittelte damit die Windrichtung. Der Wind vor meiner Haustür blies während des gesamten Versuchs von rechts. Klima-Talk: