Mit Bachelor und Master sollten Studenten viel leichter ins Ausland wechseln können. Doch es wurde schwerer. Wie es trotzdem gelingen kann

Eigentlich sollen sie die großen Gewinner sein, die Studenten: Durch die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge sollten sie einfacher an eine Uni im Ausland wechseln können, ihre Leistungen sollten sie besser angerechnet bekommen, und vor allem sollen sie das Studium viel schneller schaffen. Viele Studenten allerdings klagen, dass ihnen in der straffen Bachelorstruktur gar keine Zeit mehr bleibt für einen Auslandsaufenthalt. Tatsächlich ist es in vielen Studiengängen schwieriger geworden, für ein oder zwei Semester ins Ausland zu wechseln.

Die Statistik zeigt das Problem deutlich: In den meisten Bachelorstudiengängen gehen viel weniger Studenten ins Ausland als bei den früheren Diplom- und Magisterprogrammen, wie eine neue Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) zeigt. "Dass die angehenden Bachelors so wenig mobil sind, liegt auch an der neuen Studienstruktur, da die Programme auf einen kurzen und kompakten Umfang ausgelegt sind", sagt Christoph Heine, der die Untersuchung geleitet hat.

Fast alle Studiengänge, die in den vergangenen Jahren auf Bachelor und Master umgestellt worden sind, geben den Studenten drei Jahre Zeit für den Weg zum Bachelortitel. Bis dahin müssen alle Seminare, Vorlesungen, Inhaltsmodule und Prüfungen abgearbeitet sein. Damit die kurze Zeit dafür ausreicht, sind die Programme stark verschult – es bleibt wenig Luft für einen Abstecher ins Ausland.

Von einem "Zielkonflikt" sprechen die Hochschulforscher deshalb, wenn es um die europaweiten Studienreformen geht. Ausgerechnet die beiden Paradeprojekte des sogenannten Bologna-Prozesses drohen zu kollidieren: Die neue Bachelor- und Masterstruktur gehört zu den wichtigsten Projekten der europäischen Bildungsminister, sie wollen damit vergleichbare Abschlüsse schaffen. Als zweites großes Ziel sollen viel mehr Studenten ein Auslandssemester nehmen – doch genau das, zeigen die Zahlen, erfüllt sich bei den Bachelors bislang nicht.

Zwar gehen gleichzeitig immer mehr Masterstudenten an eine fremde Hochschule, aber das ist nur ein schwacher Trost. Denn künftig sollen die meisten Studenten nach dem Bachelor in den Beruf einsteigen. Von der steigenden Mobilität in den Masterprogrammen profitieren diese Absolventen nicht.

Die Personalchefs von großen Unternehmen wollen dennoch Mut machen, trotz dieser Hindernisse über die Landesgrenzen zu gehen. "Der schnellste Abschluss hilft wenig, wenn der Bewerber noch nie im Ausland gewesen ist", sagt Sabine Nix aus der Personalabteilung des Energieversorgers RWE. Für viele Posten im Unternehmen sei Auslandserfahrung eine wichtige Voraussetzung.

Ihr Kollege Frank Stefan Becker, Bachelor-Experte bei Siemens, rät den Studenten zur Gelassenheit. "Ein schnelles Studium ist gut, aber die Geschwindigkeit ist nicht alles", sagt er. Wer nach dem Bachelortitel von der Uni abgehe, habe die Zeit ohnehin auf seiner Seite. "Ob jemand nach seinem Bachelor 22 ist oder 24, das ist nicht entscheidend", sagt Becker. Ein gut durchdachter Auslandsaufenthalt sei daher eine gute Investition. Die Personalabteilungen schauten auf ein zielstrebiges Studium – "und das Ziel ist eben nicht nur das Blatt Papier mit dem Zeugnis, sondern auch eine gewisse Erfahrung und ein weiter Horizont". Das bedeutet eben auch, lieber ein oder zwei Urlaubssemester einzulegen, um ins Ausland zu gehen, anstatt sich zu sehr auf die geforderte Studienzeit zu fixieren.