ZEIT Campus : Herr Beah, drei Jahre lang kämpften Sie im äußerst brutalen Bürgerkrieg in Sierra Leone, bis Sie mit 16 Jahren von Unicef-Truppen befreit wurden. Sie flohen in die USA, in Ohio studierten Sie später Politik. Kannten die anderen Studenten Ihre Vergangenheit?

Ishmael Beah : Nein. Nur meine ganz engen Freunde wussten davon. Ich habe das nicht jedem auf die Nase gebunden. Diese Vergangenheit ist ein Teil von mir – aber ich will nicht darauf reduziert werden.

ZEIT Campus : Sie schrieben Ihr Buch an der Uni. Wie das?

Beah : Ich hatte einen Kurs in Creative Writing belegt. Dort habe ich beschrieben, wie ich als Kind mit meinem Bruder vor dem Krieg floh. Als mein Professor mein Manuskript gelesen hatte, sagte er zu mir: "Du hast der Welt etwas mitzuteilen. Wenn du die Entscheidung triffst, deine Geschichte aufzuschreiben, biete ich dir an, dich dabei zu unterstützen." Ich habe drüber nachgedacht. Ich habe mir gesagt: Hier im College hast du die Zeit dazu und die Unterstützung. Und dann habe ich es gemacht.

ZEIT Campus : Wie ging es Ihnen beim Schreiben?

Beah : Eins wurde mir schnell klar: Ich musste so schreiben, wie ich es damals erlebt hatte, nicht aus meiner jetzigen Perspektive. Das zwang mich, alles noch mal zu durchleben, wieder und wieder und wieder. Es gab Momente, wo ich dachte: Ich kann das nicht! Dann nahm ich eine halbe oder eine Woche frei, und auch in meinen Ferien schrieb ich, bis auf eine Ausnahme, nicht.

ZEIT Campus : Wie macht man aus einem Dreizehnjährigen einen gefühllosen Killer?