ZEIT Campus : Sagen Sie bitte einen hässlichen Satz, den es nur im Deutschen gibt.

Prinz Asfa-Wossen Asserate : "Draußen nur Kännchen." Niemandem sonst leuchtet die Logik ein, warum man eine Tasse Kaffee nicht auch draußen trinken sollte. Ich bestelle dann immer eine Tasse Espresso, das geht. Es ist so sinnlos!

ZEIT Campus : Warum gibt es gerade in Deutschland "draußen nur Kännchen"?

Asserate : Weil die Deutschen in vielerlei Hinsicht genormt sind; das hat mit der preußischen Vergangenheit zu tun. Wir verehren die Deutschen auch dafür, für ihre Genauigkeit. Aber wenn es um das Zwischenmenschliche oder das Improvisieren geht, da sind die Deutschen nicht Weltmeister.

ZEIT Campus : Sie kamen 1968 nach Deutschland und haben hier Ethnologie studiert. Hatten Sie auch einen Ethnologenblick auf das Land?

Asserate : Nicht bewusst, das ist später gekommen. Aber ich habe mir damals schon viel notiert: Gespräche, gute Witze, interessante Standpunkte. Was mich wirklich fasziniert hat, war die Andersartigkeit der Deutschen im Komplex Europa. Zwischen Engländern und Franzosen etwa ist kaum ein Unterschied zu spüren in ihrem Habitus. Sie haben auch eine ähnliche Geschichte. Die Deutschen haben immer eine Sonderrolle gespielt.

ZEIT Campus : Gab es einen Kulturschock für Sie?