Bald ziehen wir um, der Platz in unserer Leipziger Zentrale reicht einfach nicht mehr. 2002 habe ich angefangen, mittlerweile hat Spreadshirt über 250 Mitarbeiter: in Deutschland, aber auch in Polen, Irland, Frankreich, den Niederlanden und den USA– und wir wachsen weiter.

Auf der Spreadshirt-Internetseite kann jeder eigene Design-Motive entwerfen und über uns dann Kleidung mit diesen Aufdrucken verkaufen– wir drucken, liefern und bekommen das bezahlt. 300000 Anbieter gibt es mittlerweile bei uns, Privatpersonen, Bands, große Unternehmen. Fettes Brot ist darunter und Ärzte ohne Grenzen, ProSieben und Borussia Dortmund. Eine Idee und viel, viel Arbeit – daraus ist das alles hier entstanden.

Mit einer Idee und persönlichem Einsatz etwas aufzubauen, das habe ich schon mal versucht. Damals aber bin ich gründlich gescheitert. Das Unternehmen hieß bCode, und ich habe es 2001 mit sieben Freunden gegründet. bCode sollte Preisvergleiche per SMS anbieten. Jemand geht in den Laden und sieht etwas, das ihm gefällt. Er tippt die Nummer des Barcodes in sein Handy, schickt eine SMS an uns, und wir informieren ihn, wo es dasselbe Teil billiger gibt – und im besten Fall kann er es gleich per Handy bestellen.

Die Geschäftsidee stammte nicht von mir, aber ich steckte schon bald mittendrin und verstand mich als eine der Führungspersonen. Wir studierten damals alle im dritten, vierten Semester in Paderborn, ich war für Wirtschaftsinformatik eingeschrieben. Ich hatte schon einiges an Erfahrung, beriet als Selbstständiger kleinere Unternehmen und hatte in der studentischen Unternehmensberatung mitgearbeitet.

Am Anfang war die Stimmung gut. Wir arbeiteten viel, 16 Stunden am Tag waren normal. Wir mussten einen Businessplan schreiben, Investoren suchen, die Technik entwickeln. Wir haben einfach losgelegt und viele Dinge nicht genau besprochen, zum Beispiel, wer welchen Anteil am Unternehmen hat.

Erste Zweifel an der Idee kamen ziemlich schnell auf. Die Barcodes gab es zum Beispiel nicht von einer zentralen Stelle. Und als wir – viel zu spät– überlegten, wie viele Barcode-Abfragen es eigentlich geben musste, damit das Geschäft sich für uns lohnt, lag der Wert unrealistisch hoch. Aber wir waren überzeugt von uns. Wir haben uns gesagt, lasst uns erst mal Geld einsammeln und dann weitersehen, vielleicht kommen wir durch die Kontakte auf andere Ideen oder eine Lösung. Der Gedanke ist ja nicht falsch: Einfälle hat man, indem man handelt.

Wir haben aber unsere Unerfahrenheit unterschätzt. Der Internethype ging gerade dem Ende entgegen, die Investoren waren nicht mehr so leicht zu begeistern. Ich erinnere mich noch genau, wie ich einen Risikokapitalgeber so lang genervt habe, bis wir binnen eines Tages einen Termin bekommen haben, am Frankfurter Flughafen, kurz bevor seine Maschine ging. Aber überzeugen konnten wir ihn nicht.