Jesus studiert Theologie in Jerusalem. Genauso wie sein Freund Satan. Franz Kafka hat sich überraschend bürgerlich für Internationale BWL in Ludwigshafen eingeschrieben. So etwas hat Martin Heidegger nicht mehr nötig, schließlich ist er schon Professor. Da darf man auch einfach nur "über das Denken denken". Was Adolf Hitler studiert, muss dagegen reine Spekulation bleiben: Der Führer hat sein Profil für Fremde gesperrt, nur eine Nachricht kann man ihm senden.

Was bewegt Menschen dazu, sich getarnt als Prominente oder Personen der Zeitgeschichte einen Account bei StudiVZ, Facebook oder anderen Studentenforen zuzulegen? Ist das schon Schizophrenie? Psychopathen in Facebook? Mal ehrlich, Hitler, wer nennt sich denn so? Was für Freunde hat der? Hitler gruscheln?

Zum Glück gibt es Menschen, die wissen, warum sich einer Hitler oder Jesus nennt. So wie Nicole Krämer, Professorin für Sozialpsychologie, Medien und Kommunikation an der Universität Duisburg-Essen. Psychopathen? Nein, sagt sie lachend, Fake-Accounts entstünden anders: "Bei einem sehr speziellen Pseudonym wie Kafka könnte ich zum Beispiel versuchen, eine gezielte Gruppe von Leuten anzusprechen und Rückmeldung zu erhalten."

Die Nutzer wollten meistens ein gewisses Bild von sich erzeugen, oftmals positiv wirken, meint sie. Solches "Impression Management" sei eine ganz alltägliche Handlung. Bei Namen wie Paris Hilton handele es sich allerdings meist um Witzseiten. "Die entstehen etwa im alkoholisierten Zustand zusammen mit Freunden, und dann schreibt man Dinge drauf wie ›Ich bin von Geburt an dumm, und das wird sich auch nicht ändern‹." Hinter anderen Profilen stecke eine politische Motivation, und manche seien vielleicht sogar echt.

Also schreibe ich: an Asterix und Obelix, Claudia Schiffer und Heidi Klum, Jesus und Bill Gates. Dann kommen Orlando Bloom, ein halbes Dutzend Paris Hiltons und Britney Spears. Michael Jackson fällt weg, den gibt es über 500-mal. Von den 34 George W. Bushs kriegen nur jene Post, die ein Foto hochgeladen haben und Texas oder Washington als Heimat angeben. Dasselbe gilt für die Konkurrenz von den Clintons: nur die mit Arkansas und New York. Klassiker wie Heidegger, Sartre und Shakespeare sind dagegen eher selten. Den Abschluss meiner Mailorgie bilden Hitler und Yoko Ono, dann ist Wochenende.

Am Montagmorgen öffne ich meine Mailbox. "Martin Heidegger sent you a message", steht da, und gleich darunter: "Adolf Hitler sent you a message." Und darunter: "Neue Nachricht von Franz!" Kafka, natürlich. Dazu kommen noch Shakespeare, Julius Cäsar, Asterix Vercingetorix und George W. Bush.