Ich habe mich immer gefragt, warum die Reichen und Schönen so gern unter sich sind. Das Leben im Wohlstandsghetto kann ziemlich hart sein. Man sieht das in Kronberg im Taunus oder am Starnberger See, dort, wo die Menschen in prachtvollen Villen leben und dennoch nicht glücklich sind. Es ist ja auch kein Wunder. Da arbeitet man sein ganzes Leben lang hart für den Porsche in der Garage und eine Kiesauffahrt, die mindestens drei Meter breit ist – und dann hat der Nachbar zwei Porsche, und seine Auffahrt ist einen Meter breiter.

Wie demütigend es für reiche Menschen ist, sich andauernd vergleichen zu müssen, hat der amerikanische Sozialwissenschaftler Thorstein Veblen schon vor hundert Jahren beschrieben. Seine "Theorie der feinen Leute" gilt bis heute.

Natürlich vergleichen sich nicht nur die Reichen, im Gegenteil: Wirtschaftswissenschaftler haben die Lust am Vergleich in Laborversuchen immer wieder bestätigt. Demnach würden die meisten Menschen spontan lieber in einer Welt leben, in der sie 75000 Euro im Jahr verdienen und die anderen nur 60000, als dass sie 90000 Euro bekommen, die anderen aber 100000. Zum Kapitalismus gehört eben auch, dass wir alles und alle vergleichen.

Ich selbst vergleiche Lebensmittelpreise. Vor ein paar Jahren fing ich damit an. Ich hatte nicht viel Geld, aber ein Auto, und damit fuhr ich zum Einkaufen. Weil ich sparen wollte, reagierte ich auf die Werbeblättchen der Supermärkte: Wenn es irgendwo Sonderangebote gab, fuhr ich hin.

Um nicht den Überblick zu verlieren, machte ich mir eine Liste. In die erste Spalte schrieb ich alle Supermärkte und daneben die Preise der Dinge, die ich immer kaufte, zum Beispiel Nudeln, Dosentomaten und Spülmittel mit Zitrusduft. Später verfeinerte ich die Liste. Jetzt schrieb ich Spaghetti, Penne und Farfalle auf, Dosentomaten aus Spanien, Italien oder Holland, Spülmittel mit Zitrusduft und Spülmittel natur.

Dann entdeckte ich den Vorteilspack. Also schrieb ich eine Spalte für die Packungsgröße: 500 Gramm Spaghetti oder ein Kilo, Dosentomaten in der Sechserpalette oder einzeln, Spülmittel in der großen Flasche oder in einer kleinen.

Wenn ich vom Einkaufen nach Hause kam, setzte ich mich hin und schrieb die neuen Preise in die Liste.