Mit 7 Jahren wollte ich Bürgermeister werden wie mein Vater. Ich habe ihn oft bei Eröffnungen von Kindergärten oder bei Veranstaltungen im Rathaus begleitet. Faszinierend fand ich immer, dass man in diesem Beruf etwas bewirken kann.

Mit 15 Jahren bin ich nach Bonn umgezogen. Dort hatte ich eine Diplomatentochter zur Freundin. Sie hat mein Interesse an Sprachen entfacht. Ich glaube, zu dieser Zeit bin ich geistig erwacht. Staatsphilosophie war mein Lieblingsfach – das wurde bei mir in der Schule angeboten.

Mit 18 Jahren fing ich an, Jura an der Bonner Universität zu studieren.

Mit 25 Jahren ging ich nach meinem Zweiten Staatsexamen mit einem Stipendium in die USA, um dort an meiner Doktorarbeit zu schreiben. Durch Zufall bekam ich eine Stelle in der Kanzlei Fulbright & Jaworski, bekannt durch den Watergate-Skandal. Jaworski war damals Sonderankläger im Prozess gegen den damaligen Präsidenten Nixon gewesen. Den früheren amerikanischen Senator James William Fulbright, Gründer des gleichnamigen Austauschprogramms, habe ich damals ebenfalls kennengelernt. Er schenkte mir das Buch The Arrogance of Power mit einer persönlichen Widmung.

Mit 27 Jahren lernte ich meinen späteren Mann bei einem Vortrag über Steuerrecht kennen. Zwei Jahre später bekamen wir unser erstes Kind – und ich als eine der ersten Frauen eine Habilitationsstelle bei Karl Doehring am Heidelberger Max-Planck-Institut. Vier Wochen nach der Geburt, noch innerhalb des gesetzlichen Mutterschutzes, war ich wieder im Büro. Kurz darauf bekam ich die Otto-Hahn-Medaille der Max-Planck-Gesellschaft für wissenschaftlichen Nachwuchs verliehen und ging mit einem Stipendium ein Jahr nach Harvard. Der Professor einer anderen Uni riet mir ab, aus Angst, ich könnte mit einem Kind vielleicht überfordert sein.

Mit 36 Jahren versuchten einige, mich davon zu überzeugen, doch den Weg der kleinen Karriere im heimischen Umfeld zu gehen. Aber ich wollte nicht nur Dozentin sein. Mein Wunsch war ein Lehrstuhl, und das gerne auch mal im Ausland. So ging ich mit inzwischen drei Kindern für vier Jahre erst nach Düsseldorf und anschließend an die Universität von St. Gallen. Das alles war nicht immer einfach und manches Mal auch anstrengend. Schaffen konnte ich das nur mit Organisationstalent und Unterstützung. Die bekam ich durch meinen Mann, meine Schwiegermutter und Kindermädchen.

Mit 46 Jahren war ich in St. Gallen, als mir die Stelle als Generalanwältin am Gerichtshof der Europäischen Gemeinschaften angeboten wurde.