ZEIT Campus: Herr Adorf, zu Beginn möchte ich mit Ihnen über das Böse sprechen. Hat es Ihnen eigentlich jemals leid getan, dass Sie Nscho-tschi erschossen haben?

Mario Adorf: Überhaupt nicht. (lacht) Die Rolle des Santer in Winnetou I hat es nun mal verlangt, Winnetous Schwester umzubringen. Dieser Santer war ein völlig unreflektierter Bösewicht, der nur so böse war, um die guten Menschen Winnetou und Old Shatterhand heller strahlen zu lassen. Das war dann auch die Wirkung. Es gab den Hass eines ganzen Publikums, der sich auf Santer ablud.

ZEIT Campus: Bevor Sie in "Der große Bellheim" und "Rossini" zum würdevollen älteren Herrn reiften, waren Sie jahrelang der Bösewicht. Hat Sie das jemals gestört?

Adorf: Nein, ich habe schon am Theater gern solche Rollen gespielt. Ich hatte einmal die Wahl, den Jago zu spielen oder den Othello. Ich habe mich für Othello entschieden, was ein Fehler war, denn ich war kein Held. Ich konnte das Helden-Prinzip nicht bedienen.

ZEIT Campus: Warum?

Adorf: Für mich war ein Held immer ein wenig dumm. Wagemut, Gehorsam, das Soldatische waren für mich keine richtigen Tugenden, sondern Fehler.

ZEIT Campus: Was hat Sie am Bösen so fasziniert?