Ein Drittel der Studenten gehört nicht an die Uni, sagt der Professor Dirk Kaesler. Professoren sind faul, sagen die Studentinnen Mareike Glensk und Mareike Glöß. Ein Streitgespräch über die komplizierteste Beziehung im System Uni

ZEIT Campus: Herr Professor Kaesler, was stört Sie eigentlich so sehr an vielen Studenten?

Dirk Kaesler: Ich bin oft tief deprimiert. Ich frage meine Studenten zu Beginn des Studiums: "Was wollen Sie denn wissen?" Da kommt keine Antwort. Dann frage ich: "Warum wollten Sie denn Soziologie studieren?" Und die Studenten sagen: "Wollen wollte ich das nicht." Dann erzählen sie kaskadenartige Geschichten – eine Lehrstelle haben sie nicht bekommen, einen Platz an einer Fachhochschule auch nicht. Blieb nur noch die Universität übrig, und das Fach Soziologie, das hat ja was mit Menschen zu tun. Wenn ich im Seminar sage, dass wir nächste Woche Habermas lesen, sagen meine Studenten: "Ich verstehe den nicht, und ich weiß auch nicht, warum ich den lesen soll." Ein Drittel der Studierenden gehört nicht an die Uni!

ZEIT Campus: Ist es wirklich so schlimm?

Mareike Glöß: Klar gibt’s Studenten, die ahnungslos sind. Aber wie sollen wir denn Habermas verstehen? Wir lernen das Lernen nicht mehr. Viele Professoren reagieren auf uns Studenten überhaupt nicht mit Entgegenkommen. Sie igeln sich unglaublich ein. Ich erlebe den Professor oft als eine mächtige Instanz, umgeben von seinen Hiwis und Mitarbeitern. Da ist für Studenten eine Barriere. Viele haben sogar Angst davor, in Sprechstunden zu gehen. An dieser Angst sind sie nicht schuld. Die Professoren müssen sich öffnen!

Mareike Glensk: Mich nerven Referate von desinteressierten Kommilitonen riesig. Aber es gibt leider auch jede Menge Professoren, denen es egal ist, ob die Referate schlecht sind. Die setzen sich hinten im Seminarraum mit einer Zeitung hin oder korrigieren währenddessen Hausarbeiten.

Glöß: Wenn sie überhaupt Hausarbeiten schreiben lassen. Viele sind dafür zu faul und prüfen die Studenten lieber mittels langweiliger Multiple-Choice-Klausuren. Aber sicher: Manchmal will ich meine Kommilitonen auch schütteln. Da sitzen sie in einer VWL-Vorlesung und unterhalten sich – dabei müssten sie auch gar nicht kommen, sondern könnten zu Hause bleiben; es gibt nicht mal eine Anwesenheitsliste.

ZEIT Campus: Aber wer ist denn nun an der Misere schuld: faule Professoren oder dumme Studenten?