Vor anderthalb Jahren wurden die ersten Elite-Unis gekürt, mittlerweile sind es neun. Die Studienplätze dort sind begehrt, dabei hat sich für die Studenten nichts geändert

Diese Schlange wird Bettina Reichart, 21, so schnell nicht vergessen: Die Münchner Ludwig-Maximilians-Universität hatte ihre künftigen Studenten zur Einschreibung geladen und der Ordnung halber gleich alphabetisch sortiert. An diesem Tag waren nur die Buchstaben P, Q und R an der Reihe – "und trotzdem drängten sich da so viele Leute, dass man locker zwei Stunden warten musste", sagt sie.

Bettina Reichart studiert Germanistik an der Uni, die im ersten Durchgang der Exzellenzinitiative zur Elitehochschule befördert wurde. In ihrem ersten Semester hat sie aber neben dem obligatorischen "Überblick über die Literatur des 16. und 17. Jahrhunderts" gleich noch etwas anderes gelernt: nämlich dass selbst an einer Elite-Uni das Studium ein ganz schön anstrengender Massendurchlauf sein kann.

Denn das Exzellenz-Siegel hat gleich im ersten Jahr wie ein Magnet auf die Studenten gewirkt. An fast allen Elitehochschulen biegen sich die Schreibtische unter den Bewerbungsmappen: 27 Prozent mehr Bewerber als im Vorjahr verzeichnet etwa die Universität Karlsruhe, bei der Technischen Universität München bewegt sich das Plus ebenfalls im zweistelligen Bereich, und die Ludwig-Maximilians-Universität erlebt zumindest in einigen Fächern einen Ansturm.

Das Paradoxe an dieser Entwicklung: Die Exzellenzauszeichnung bezieht sich einzig und allein auf die Forschung – mit guter Lehre, die für die Studenten im Alltag viel wichtiger ist, hat sie erst einmal nichts zu tun.

Und trotzdem: Das Eliteattribut färbt auf die ganze Universität ab, da sind sich Bildungsforscher und Studentenvertreter einig. Fast niemand unterscheide bei seiner Studienwahl zwischen Forschung und Lehre – wenn die Universität schon aus vielen Bewerbern bundesweit ausgewählt wurde, so die verbreitete Wahrnehmung, dann müsse ja schließlich etwas dran sein an dem guten Image.

"Bei uns an der Uni ist das mittlerweile zum geflügelten Wort geworden, das mit der Elite", sagt Bettina Reichart, die Münchner Studienanfängerin. "Wenn im Seminar keine Stifte vorn an der Tafel liegen, wenn in einem Raum die Deckenverkleidung fehlt oder man in der Vorlesung wieder nur einen Platz auf dem Boden gekriegt hat, dann sagen wir schnell: ›Na, da sieht man’s – das ist also unsere Elite-Uni!‹" Es ist ein gutmütiger Spott, aber eines zeigt er sehr deutlich: Die üblichen Probleme, die es an fast jeder Universität gibt, gehören auch bei den Eliteeinrichtungen zum Alltag.

"Rein statistisch gesehen sind die Unterschiede zwischen Exzellenzhochschulen und den normalen Universitäten nicht dramatisch", sagt Peter Müssig-Trapp. Mit seinen Kollegen vom Hochschul-Informations-System (HIS) hat er 15 000 Studenten an fast allen deutschen Universitäten nach ihrer Zufriedenheit gefragt. Das Ergebnis der Studie: Von den Studenten an Eliteuniversitäten sind 71 Prozent zufrieden – unter den übrigen Studenten sind es 63 Prozent. "Der Unterschied kann auf einer Sogwirkung basieren", relativiert jedoch Müssig-Trapp das Ergebnis. "Die vielen Schlagzeilen über die Eliteuniversitäten verändern bei einigen sicherlich die Wahrnehmung der eigenen Hochschule."