Frauen sind besser ausgebildet als Männer, werden aber in der Arbeitswelt noch immer benachteiligt. Ein aktueller Ausblick zum Stand der Gleichberechtigung.

Die guten Nachrichten zuerst: In New York, so das Ergebnis einer aktuellen Studie, verdienen Frauen zwischen 20 und 30 Jahren inzwischen fast ein Fünftel mehr als Männer gleichen Alters.

In Deutschland ist es noch nicht so weit, aber immerhin: Hier bekommen junge Frauen im Vergleich zu den Männern längst nicht mehr so viel weniger Geld wie noch ihre Mütter. Auch, weil sie besser ausgebildet sind: Sie haben den besseren Abiturschnitt und studieren häufiger als Männer. "Frauen haben unglaublich aufgeholt im Bereich Bildung und Ausbildung, der Pool qualifizierter Frauen ist sehr viel größer", bilanziert Jutta Allmendinger, Präsidentin des Berliner Wissenschaftszentrums für Sozialforschung.

Frauenförderung:
Wirtschaft, Wissenschaft und Politik bemühen sich mehr und mehr um weibliche Talente. Die Deutsche Post, die Commerzbank, die Deutsche Bank und viele andere haben Mentoringprogramme für den weiblichen Führungsnachwuchs aufgelegt. Und nicht nur sie: Bei McKinsey soll die Women’s Initiative qualifizierte Mitarbeiterinnen mit individuellen Arbeitsmodellen locken.

Das staatlich geförderte Projekt Femtec soll die Karrieren besonders begabter Studentinnen der Natur- und Ingenieurwissenschaften ankurbeln. Bund und Länder geben 150 Millionen Euro aus, um 200 neue Stellen für Professorinnen zu schaffen. Überall wird die Kinderbetreuung ausgebaut, Thüringen unterstützt etwa Wiedereinsteigerinnen in den Beruf finanziell. Die Initiativen allerdings klingen mit Namen wie "Löwinnen-Programm" oder "Get the Best" so, als müsste das weibliche Selbstbewusstsein gleich mit gefördert werden.

Vielleicht sind sie ein Indiz dafür, dass es trotz allem immer noch an vielen Ecken und Enden hakt, von der Bezahlung über die Karrierechancen bis hin zur Aufteilung der Hausarbeit.

Bezahlung:
Trotz oft besserer Qualifikationen bekommen Frauen noch immer weniger Geld für ihre Arbeit als Männer. Erst Ende des vorigen Jahres hat die OECD, die Denkfabrik der Industrieländer, bemängelt, dass die Gehaltskluft in kaum einem anderen Industriestaat so groß ist wie in Deutschland. Laut Statistischem Bundesamt verdienen Frauen durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer. Geschäftsführerinnen bekommen laut dem Gender-Datenreport der Bundesregierung sogar nur 69 Prozent dessen, was männliche Chefs verdienen.

Allerdings arbeiten auch 43 Prozent aller Frauen in Teilzeit. Deswegen wird den Gehaltsstudien oft vorgeworfen, dass sie Dinge vergleichen, die sich nicht vergleichen lassen. "Die großen Einkommensunterschiede gibt es, weil Frauen gar nicht ganztags arbeiten können – das ist aber keine gewollte, sondern eine ihnen durch die Umstände auferlegte Halbtagstätigkeit", hält Jutta Allmendinger dagegen. Schließlich ergeben Vergleiche von Männern und Frauen, die einander in Alter, Bildung und Persönlichkeit ähnlich sind, dass auch diese Frauen nach zehn Jahren im Beruf 60 000 Euro weniger verdient haben als die Männer – selbst wenn sie kinderlos sind und nicht Teilzeit gearbeitet haben.