Karriere geht vor! Zumindest für die meisten Studenten an der privaten Wirtschaftsuni WHU in Vallendar bei Koblenz. Jetzt hat sich dort eine Gruppe der Jungsozialisten gebildet. Ein Besuch

Der Ort, an dem die Studenten so klingen wie Pressesprecher, heißt Vallendar. "Ich habe noch nirgendwo eine so überdurchschnittliche Konzentration von Geisteskraft erlebt wie hier", sagt die Stipendiatin. "Das Commitment hat mir imponiert", sagt der angehende Fabrikant. "Hier knüpfen wir Kontakte, die man sonst nicht bekommt", sagt die Unternehmertochter. 

An einem solchen Ort macht es Spaß, ein wenig anders zu sein, findet Jin-Kyu Jung. "Wir sind politische Außenseiter", sagt er.

Vallendar ist ein winziges Städtchen am Rhein. Gegenüber dem Bahnhof, an dem ein Gleis nach Koblenz führt und eines nach Köln, öffnet sich hinter einer Baustelle der Burgplatz: der Sitz der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung (WHU), einer Privat-Uni, die in Hochschulrankings regelmäßig weit vorn liegt. "Die WHU ist nicht das, was sie ist, sondern das, was man aus ihr macht", lernen die Neuen gleich zu Beginn eines jeden Semesters.

Jin-Kyu Jung hat das wörtlich genommen – und etwas Besonderes geschaffen an diesem Ort. Jin-Kyu ist 20 Jahre alt, und seit einem Jahr stellvertretender Vorsitzender der Hochschulgruppe der Jusos – der Jungsozialisten –, an einer Uni, die "Führung" in ihrem Namen trägt und als Kaderschmiede für Unternehmensberater und Unternehmenslenker gilt.

Die WHU lockt ihre Studenten mit dem Versprechen von Exzellenz und der Aussicht auf Erfolg in den obersten Etagen; die Jugendorganisation der SPD hat sich den solidarischen Staat ins Programm geschrieben, sie kämpft für Vollbeschäftigung und gegen Marktradikale. Die Jusos glauben nicht an die Allmacht freier Wirtschaft. An der WHU fällt man auf als Juso.

"Man darf nicht zu viel erwarten", sagt Jin-Kyu über seine Kommilitonen, "viele haben eine andere Vorprägung durch das Elternhaus."

Freitag, 19 Uhr, Hörsaal 004: Jahreshauptversammlung. Die Jusos warten auf Wachstum, doch keiner kommt. Das künstliche Licht strahlt, jeden roten Fleck auf der Haut macht es noch röter. Die Wände sind kahl; im Wandschrank steht ein Pokal, den die Rudertruppe irgendwann einmal geholt hat. Jin-Kyu und sein Kollege Thomas Griesel haben die Versammlung vorbereitet. Einen Rechenschaftsbericht wollen sie ablegen, der alte Vorstand soll entlastet, ein neuer gewählt werden. Thomas trägt verwaschene Jeans und ein enges weißes T-Shirt mit bunter Schrift, "New Kind" steht darauf.