Wenn Kaiser Wilhelm II. über seine Studentenzeit sprach, erfasste ihn großes Pathos. "Es bedarf wohl für Sie nicht besonderer Erwähnung oder Betonung, welche Gefühle Mein Herz durchzittern, wenn Ich Mich im lieben Bonn wieder unter Studenten finde!", rief er 1901 den Teilnehmern eines Festkommerses in der Beethovenhalle zu.

Im Oktober 1877 war der achtzehnjährige Prinz Wilhelm nach Bonn gezogen, um für zwei Jahre an der dortigen Universität zu studieren. Hatte er auf dem Gymnasium in Kassel unter der strengen Aufsicht seines Erziehers Georg Hinzpeter hart arbeiten müssen, so führte er als Student ein eher unbeschwertes Leben.

Die Stadt am Rhein zählte damals knapp 30 000 Einwohner. Unter den gerade einmal 859 Studenten waren die Angehörigen des Hochadels zahlreich vertreten. Schon Wilhelms Vater, Kronprinz Friedrich Wilhelm, hatte hier studiert, ebenso sein Großvater mütterlicherseits, und so war es ausgemacht, dass sich auch Prinz Wilhelm nach dem Abitur hier einschrieb.

Von einem ernsthaften Studium konnte allerdings angesichts der Kürze der Zeit und der Vielfalt der belegten Fächer keine Rede sein. Wilhelm studierte nur vier Semester lang, hörte Vorlesungen und erhielt Privatunterricht – in Staats- und Völkerrecht, Nationalökonomie, Philosophie, Kunstgeschichte, Germanistik, Archäologie, allgemeiner Geschichte und sogar in Physik und Chemie. Das Ziel war nicht ein akademischer Abschluss, sondern die Vermittlung von Grundlagenwissen, das ihm später als Regent von Nutzen sein konnte.

Freilich, zu mehr als oberflächlichen Kenntnissen reichte es in den meisten Fällen nicht, zumal der Prinz seine Studien nur sehr nachlässig betrieb – sehr zum Verdruss seiner Mutter, der Kronprinzessin Victoria. Im Mai 1878 schrieb sie ihrem Gemahl: "Zum nachhaltigen Arbeiten müßte man Wilhelm anhalten – da er von Natur aus ein solcher Bummler und Tagedieb ist." Und im Juni ermahnte sie ihren ältesten Sohn: "Hoffentlich trinkst und rauchst Du bei den Kneipen nicht zu viel."

Die Sorgen der Mutter waren nicht unberechtigt, denn tatsächlich verbrachte Wilhelm die meiste Zeit nicht in den Hörsälen, sondern bei den Bonner Borussen. Diesem exklusiven Corps war er gleich nach seiner Ankunft in Bonn beigetreten, allerdings nur als Konkneipant. Das heißt, er durfte mittrinken, bald auch "pauken", also am Fechtunterricht teilnehmen. Mensuren schlagen aber durfte er als Mitglied des königliches Hauses nicht. Seine Behinderung – der linke Arm war seit der Geburt verkrüppelt – hätte es ihm auch schwer gemacht, mit den anderen mitzuhalten.