ZEIT Campus: Herr Veith, bei den großen Strategieberatungen bewerben sich jährlich mehrere Tausend Kandidaten, genommen werden nur wenige Hundert. Es heißt, Sie stellen nur Absolventen mit einer 1,0 im Zeugnis ein, stimmt das?

Christian Veith: Die Null hinterm Komma ist nicht zwingend. Wir suchen Leute mit herausragenden intellektuellen Fähigkeiten, und darüber geben die akademischen Leistungen Auskunft. Wichtig ist aber auch, dass ein Bewerber begeisterungsfähig ist und diese Passion auf seine Arbeit übertragen kann. Deswegen frage ich in Vorstellungsgesprächen immer auch nach persönlichen Interessen.

ZEIT Campus: Darüber hört man die wildesten Geschichten: Sie suchten Marathonläufer, Olympioniken, Soloviolinisten...

Veith: Wenn jemand in allen Bereichen nur durchschnittlich ist, wird ihn sein Weg nicht zu BCG führen. Das heißt aber nicht, dass er in der Bundesliga Tennis gespielt haben muss, um eingestellt zu werden.

ZEIT Campus: Sollte er denn ein bestimmtes Fach studiert haben?

Veith: Das Fach spielt keine Rolle. Nur die Hälfte unserer Mitarbeiter kommt aus den Wirtschaftswissenschaften. Spannend ist gerade die Kombination dieser Fachexperten mit Talenten, die einen ganz anderen Horizont haben. Die sind eher bereit, Herkömmliches infrage zu stellen – sie haben das ja auch in ihrer eigenen Biografie getan, indem sie nicht den klassischen Berufsweg eingeschlagen haben, sondern zu uns gekommen sind. Zum großen Teil sind das Naturwissenschaftler und Ingenieure, aber auch Juristen gibt es bei uns, Theologen, Musiker und sogar einen Rentierforscher.

ZEIT Campus: Wie kann denn jemand, der sich in seinem Studium mit Rentieren befasst hat, ein Unternehmen wieder auf Erfolgskurs bringen?