Studiengebühren helfen nun auch gegen Unkraut, zumindest im baden-württembergischen Eppelheim. Die Gemeinde bei Heidelberg zahlt einem Biologiestudenten die Studiengebühren. Der rupft dafür Unkraut auf dem Eppelheimer Gemeindefriedhof und aus den Blumenbeeten vor dem Rathaus.

Für 60 Stunden gemeinnützige Arbeit im Semester überweist die Gemeinde die 500 Euro Semestergebühren an die Universität. Medizinstudenten helfen im Seniorenheim, angehende Theologen in den Eppelheimer Kirchen, Sportstudenten in Sportvereinen, "um dicken Kindern vorzubeugen", so sagt es der Bürgermeister Dieter Mörlein.

Das mittlerweile als "Eppelheimer Modell" bekannt gewordene Projekt gibt es nun seit einem Jahr – Zeit für eine Bilanz. "Es läuft hervorragend", schwärmt Mörlein. Die Idee hatte er bei einer Fahrt auf der Autobahn. "Im Radio hörte ich, dass trotz Studiengebühren das Bafög nicht erhöht wird. Ich dachte sofort, da muss man was machen", erzählt er. Ein strikter Gebührengegner sei er nicht, er wolle aber, dass jeder Student die Gebühren aufbringen kann.

Im Internet warb der parteilose Bürgermeister für sein Modell, inzwischen hat er die Seite erst mal vom Netz genommen. Über 160 Anfragen landeten in seinem Postfach. Jedes Semester können aber nur 20 Studenten angenommen werden – mehr Stellen gebe es in der 14000-Einwohner-Gemeinde nicht.

Einen der begehrten Jobs hat Madlene Rolfsmeyer, 20, ergattert. Sie studiert in Heidelberg Deutsch und Geschichte auf Lehramt. Im Sommersemester ist sie montags und mittwochs in den Bus gestiegen und eine Viertelstunde hinaus nach Eppelheim gefahren, um in der Grundschule am Rathaus für jeweils zwei Stunden Zweit- bis Viertklässlern bei den Hausaufgaben zu helfen.

Rolfsmeyer macht der Job Spaß. "Die Kinder haben sich immer gefreut, wenn ich da war. Das ist ein tolles Gefühl. Außerdem sammle ich so Berufspraxis", sagt die angehende Lehrerin. "Das ist doch sinnvoller, als in einer Kneipe zu kellnern." Besser bezahlt wird es auch: Rolfsmeyers Kommilitonen arbeiten in Heidelberger Cafés für oft nur fünf Euro pro Stunde. Im Eppelheimer Modell liegt der Stundenlohn bei 8,33 Euro.

Bürgermeister Mörlein lobt das Engagement von Madlene Rolfsmeyer und drei anderen Lehramtsstudenten an der Grundschule: Lehrer und Schüler seien von ihnen begeistert. Er spricht von einer "Win-win-win-Situation". Die Schüler kämen besser im Unterricht mit, die Studenten bekämen die Gebühren bezahlt – und die Stadt bekäme "ein bestimmtes Image im sozialen Bereich".