So werden heute Stars geboren: Einer entdeckt etwas im Netz und schickt den Link an seine Freunde. Die tun das Gleiche, und mit einem Mal hat ein Amateurvideo Einschaltquoten wie eine Samstagabendshow. Wissenschaftler nennen das "Schwarmverhalten" – ein Begriff, der besonders schön zur Geschichte vom kleinen Hai passt:

Eigentlich war alles nur ein Spaß. An Silvester vor zwei Jahren nahm Alexandra Müller, 25, Studentin für Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus, ein Video von sich auf und veröffentlichte es unter dem Namen Alemuel auf YouTube. Ein halbes Jahr lang passierte nichts.

Dann interessierten sich plötzlich immer mehr User für ihre Performance des Kinderliedes Kleiner Hai, bei der sie mit altmodischer Brille, rotem Haarreif und Namensschild am Pullover, in einem grünen Sessel sitzend, hemmungslos "Kleiner Hai, Dim Dim!" ruft und wild dazu klatscht.

Inzwischen wurde ihr Clip über fünf Millionen Mal angeklickt. Alexandra hält mit dem "Kleinen Hai" eine Chartplatzierung, sie ist bei The Dome vor kreischenden Kindern aufgetreten und auf Mallorca vor alkoholisierten Erwachsenen.

Wie es so weit kommen konnte? "Nachdem immer mehr Leute auf den Clip aufmerksam geworden waren, meldeten sich die ersten Medien", sagt Alexandra. Um ihre Identität zu schützen, gab sie sich als 17-jährige Schülerin aus, ihren User-Namen Alemuel behielt sie als Künstlernamen.

Im Februar bekundete der Musikkonzern EMI sein Interesse, denn bei den Plattenfirmen zermartern sich Heere kreativer Menschen die Köpfe, um einmal einen solchen Erfolg zu landen wie Alexandra. Sie unterlegten ihren Clip mit einfachen Beats und boten ihr einen Vertrag an. "Da kam die Performancekünstlerin in mir durch, die sehen wollte, was durch die Sache mit mir passiert", sagt sie.

Erklären kann sie sich den Hype allerdings nicht. "Irgendwie mögen die Leute den Song wohl." Jo Groebel, Direktor des Deutschen Digital Instituts in Berlin, entschlüsselt das YouTube-Phänomen so: "Entscheidend sind drei Faktoren: das richtige Timing, die Lust der Menschen an einem Gemeinschaftserleben sowie die Begeisterung der Meinungsführer einer Gruppe." Auf den Inhalt komme es dabei gar nicht an. Und Manfred Rolef, General Manager Kids Repertoire bei EMI, sagt: "Die Darbietung wirkt sehr animierend auf unsere Zielgruppe der 6- bis 16-Jährigen, man will einfach mitmachen."