Alle sagen, man brauche emotionale Intelligenz. Aber wie kriegt man die? Ein Gespräch mit dem Ratgeber-Autor Jürgen W. Goldfuß

ZEIT Campus: Herr Goldfuß, Sie haben zahlreiche Bücher zum Thema Schlüsselqualifikationen geschrieben. Was versteht man eigentlich genau unter dem Begriff?

Jürgen W. Goldfuß: Schlüsselkompetenzen sind die Qualifikationen einer Person, die nicht messbar sind. Der Intelligenzquotient lässt sich genau auf einer Skala festmachen; emotionale Intelligenz aber können Sie nur fühlen. Wegen ihres IQ werden Leute eingestellt – befördert aber werden sie wegen ihres EQ.

ZEIT Campus: Wie das?

Goldfuß: Nehmen wir als Beispiel die kulturelle Sensibilität. Sie können fachlich sehr gut sein; wenn Sie aber mit einem Chinesen zusammenarbeiten, nützt Ihnen das allein wenig. Da müssen Sie vor allem fähig sein, über Ihren kulturellen Tellerrand zu blicken und sich in ihr Gegenüber einzufühlen. Sonst werden Sie keinen Erfolg haben – und an dem werden Sie schließlich gemessen.

ZEIT Campus: Aber Fachwissen ist doch entscheidend.

Goldfuß: Mit fachlicher Kompetenz allein kommen Sie nicht weit. Es ist ja nicht so, dass der Schraubendreher zum Oberschraubendreher befördert wird und dann noch mehr Schrauben dreht. Stattdessen hat er dann Menschen "unter sich", und mit denen muss er umgehen können.

ZEIT Campus: Wird nicht schon bei der Einstellung darauf geachtet, wie sich jemand im Team verhält?