Der Industriedesigner Hartmut Esslinger, 63, entwarf Computer für Apple – und besitzt heute einen Fußballclub

Mit 5 Jahren habe ich Autos, Motorräder, und überhaupt alles, was ich sah, gezeichnet. Ich bin im Schwarzwald aufgewachsen; und in der Dorfschule, die ich besucht habe, hat mich mein Lehrer zur Beschäftigung oft das Klassenzimmer dekorieren lassen – ich bin ziemlich aktiv gewesen.

Mit 10 Jahren musste ich meinen Eltern in ihrem Modegeschäft helfen: Kleider falten, abstauben, aufräumen. Sie haben das Geschäft nach dem Krieg gegründet, mit einem Grundkapital von 80 Mark.

Mit 19 Jahrenhabe ich mein Abitur gemacht nachdem ich zwischendurch eine Klasse wiederholen musste.

Mit 21 Jahren habe ich ein Elektrotechnik-Studium in Stuttgart begonnen. Im dritten Semester hat mein Professor gesagt: "Das wird hier nichts mit Ihnen, aber Ihre Zeichnungen sind schön", und mir ein Designstudium empfohlen. Also habe ich mich an der Kunstschule Schwäbisch Gmünd für Industriedesign immatrikuliert. Das Studium war vom ersten Tag an das Richtige für mich! Ich bin morgens um 6 Uhr in die Schule; um Mitternacht mussten sie mich rauswerfen, weil ich noch über Entwürfen hing: für Radios, Küchenmaschinen und Musikinstrumente. Die Professoren haben mich wohl für verrückt gehalten.

Mit 25 Jahren, noch als Student, habe ich den "Bundespreis für gute Form" gewonnen und die Agentur Esslinger Design gegründet. Der erste Auftrag: einen Sicherheitsgurt für VW zu entwerfen. Dann sind Konzepte für die Werbeagentur Wega, Sony oder Louis Vuitton gekommen – mein großer Durchbruch. Die Firma hat später den Namen "frog design" erhalten. Das Credo: form follows emotion.

Mit 38 Jahren habe ich den Apple-Gründer Steve Jobs getroffen. Apple war zu dieser Zeit ein junges Start-up und kurz davor zu kollabieren. "Ihr müsst eine globale Marke werden", habe ich zu Steve gesagt. Wir haben rund um die Uhr gearbeitet, nachts die Beatles und Bob Dylan gehört und über Strategien, Skizzen und Styropormodelle diskutiert. So ist der erste Apple-PC mit dem weißen, leichten Gehäuse entstanden.

Mit 48 Jahren war ich Mitgründer der Karlsruher Hochschule für Gestaltung. Ich bin mit den bürokratischen Regeln nicht klargekommen. Den Lehrstuhl habe ich nach vier Jahren aufgegeben.