Es war im März 2003, als mein Telefon klingelte. Ich war erst seit einem halben Jahr Bundestagsabgeordneter, 22 Jahre alt, und Berlin kam mir groß vor in diesen Tagen, groß und grau. Ich nahm den Hörer ab.

Spahn?

– Ja, Volker Kauder hier. Herr Spahn, es wäre gut, wenn bei der nächsten Haushaltsdebatte auch ein junger Kollege spricht. Kriegen Sie das hin?

– Ja, also, ich denke schon.

– Bestens, schönen Tag noch!

Das war’s. Ich stand auf der Rednerliste. Die erste Bundestagsrede ist immer etwas Besonderes, allerdings halten die meisten sie am Ende eines langen Sitzungstages, nachts um halb eins, vor leeren Rängen und einer Handvoll Phoenix-Zuschauern, die nicht schlafen können. Ich hingegen sollte bei der Debatte um den Kanzleramtsetat reden, dem größten politischen Schlagabtausch des Jahres. Ich sollte im Namen der CDU/CSU-Fraktion dem damaligen Kanzler Gerhard Schröder die Leviten lesen. Und nicht nur das: Direkt nach meiner Rede sollte eine namentliche Abstimmung stattfinden, das heißt, fast alle der über 600 Bundestagsabgeordneten würden anwesend sein!

Ich nahm ein leeres Blatt Papier und dachte nach. Die Debatte um den Kanzleramtsetat ist immer eine Generalabrechnung, es geht nicht darum, wie hoch die Stromrechnung für Schröders Büro war oder ob der Kanzler einen Ministerialdirigenten einsparen sollte. Es geht um die große Politik, den großen Wurf. Ich überlegte, welche Unterschiede es gab zwischen dem, was Gerhard Schröder für gute Politik hielt, und dem, was ich darunter verstand. Die wichtigsten Punkte notierte ich auf meinem Zettel. Zum Beispiel, dass wir junge Menschen besser ausbilden müssen – sie sind die Zukunft!