Wer über die Zukunft nachdenkt, sollte erst einmal die Gegenwart verstehen. Also hat sich der Frankfurter Zukunftsrat mit dem größten Thema der Gegenwart beschäftigt: der menschlichen Gier. Der Zukunftsrat ist ein informelles Netzwerk, zu dem der frühere SPD-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und der CDU-Politiker Friedrich Merz gehören. Sie fanden heraus: Gier ist angeboren.

Der Zukunftsrat beruft sich auf Untersuchungen von Hirnforschern der Uni Bonn. Bei bestimmten Menschen reagiert das Belohnungssystem des Gehirns auf den Anblick von Geld offenbar ganz ähnlich wie auf Kokain. Sie werden süchtig. Wer nach Geld giert, ist also in Wahrheit ein bedauernswerter Hund. Ein Süchtiger, der einen genetischen Defekt in sich trägt. Sollte man so einen an die Spitze eines Unternehmens lassen? Bloß nicht, meint der Zukunftsrat und empfiehlt einen Gentest für Führungskräfte.

Ich habe schon viel gehört über Wahnsinn in den Chefetagen. Über abgehörte Telefonate und Geheimdossiers über Vorstandskollegen. Über Schizophrenie und Verfolgungswahn. Aber genetisch bedingte Gier? Eine prima Entschuldigung, wenn etwas gehörig schiefgelaufen ist, so wie jetzt in der Finanzkrise: Da kann man nichts machen, die Gene sind schuld!

"Mister Moneypenny" heißt eigentlich Marc Brost. Der 38-Jährige ist Wirtschaftskorrespondent der ZEIT. Für ZEIT CAMPUS beleuchtet er, warum wir in Sachen Wirtschaft so irrational handeln