Ein Witz geht so: Zwei Männer sitzen an einer Kreuzung. Da kommt ein Reisender des Weges. Er spricht sie freundlich auf Englisch an: Wo bitte der Weg in die nächste Stadt sei? Die Männer verstehen nicht. Da versucht es der Fremde auf Italienisch und Französisch, auf Russisch, Slowakisch und Chinesisch, schließlich auf Hochbalinesisch. Kopfschütteln. Enttäuscht kehrt der Fremde um. "Der konnte aber viele Sprachen", sagt schließlich einer der Männer. "Na und – hat’s ihm was genützt?", sagt der andere und zuckt mit den Schultern.

Es könnte auch ein Witz über Geisteswissenschaftler sein, die ins Berufsleben starten. Ihr fachliches Wissen interessiert in der Wirtschaftswelt oft keinen. Darauf, argumentieren Optimisten, komme es ja auch gar nicht an; vielmehr hätten Geisteswissenschaftler die viel gerühmten "Schlüsselqualifikationen". Sie können sich schnell neues Wissen erschließen, können kommunizieren, organisieren und analysieren. Damit bringen sie genau das mit, was in der globalen Wissensgesellschaft gefragt ist, die den klugen Umgang mit immer neuen Fragen verlangt und nicht das Abrufen fester Wissensbestände.

Geisteswissenschaftler sind in dieser Perspektive die Avantgarde am Arbeitsmarkt der Wissensgesellschaft; die Unternehmen müssten sie demzufolge eigentlich umwerben und bestens entlohnen. Tun sie aber nicht, im Gegenteil. Geisteswissenschaftler haben es bei Berufsstart und Karriere viel schwerer als zum Beispiel Betriebswirte und Ingenieure. Das ist nicht nur eine Sorge von Eltern und Großeltern, die zu viel über taxifahrende Germanisten gelesen haben. Es ist die Realität.

Als das Hochschul-Informations-System in Hannover Absolventen aller Fachrichtungen zehn Jahre nach Studienende befragte, wie es ihnen ergangen sei, zeigte sich: Die Geisteswissenschaftler verdienten ein Viertel weniger als der Schnitt der Absolventen und weniger als die Hälfte von dem, was der durchschnittliche Wirtschaftsingenieur aufs Konto bekommt. Ein Viertel der befragten Geisteswissenschaftler arbeitete in einem Job, in dem ein Hochschulabschluss nicht die Regel ist, und empfand die berufliche Position als nicht angemessen.