ZEIT CAMPUS: Amir, wie geht es Ihnen?

Amir: Nicht so gut. Ich fühle mich erniedrigt. Wir haben wochenlang friedlich demonstriert und wurden dafür von der Regierung als Aufständische und Handlanger des Westens beschimpft. Außerdem hat uns die Gewalt der Milizen schockiert, sie gehen mit großer Brutalität vor. Wir haben ständig Angst.

ZEIT CAMPUS: Was haben Sie erlebt?

Amir: In der Nacht nach der Wahl griffen Religionswächter die Teheraner Universität an, die als das Herz der Bewegung gilt. Die Wohnheime wurden komplett demoliert. Ich habe gesehen, wie Polizisten auf Motorrädern Studenten jagten. Sie isolierten Einzelne und schlugen sie mit Stöcken. Eine Frau neben mir schrie: "Schlagt sie nicht! Es könnten eure eigenen Kinder sein!" Der Polizist hielt ihr eine Dose Pfefferspray vor das Gesicht und befahl ihr, den Mund zu halten.

ZEIT CAMPUS: Protestieren nur Studenten?

Amir: Nein, die Studenten haben eine führende Rolle, das Neue aber ist, dass auch normale Bürger das Regime ablehnen.

ZEIT CAMPUS: Wie hat die Protestbewegung Ihr Land verändert?

Amir: Einerseits haben wir verloren, Ahmadineschad wird auch die nächsten vier Jahre Präsident sein, und alles wird schlechter werden, die Konjunktur, die Außenpolitik und damit auch die Stimmung im Land.

ZEIT CAMPUS: Und andererseits?