Ein Indiz, an dem der Mensch erkennen kann, dass er älter wird: Im Freundeskreis werden nicht mehr im Wochenrhythmus Bands gegründet. Die meisten haben Wichtigeres zu tun, manche haben sogar Arbeit. Einige haben auch eingesehen, dass ihnen das Schicksal keine Familienpackung Musikalität über die Ladentheke gereicht hat. Was bleibt, sind ein Haufen spitzenmäßiger Bandnamen, die einem blöderweise erst heute einfallen. Wenn ich noch mal 20 wäre, würde ich meine Punkband "Fernmeldegeheimnis" nennen. Oder Shoot when feeling ok – eine Aufforderung, die ich in einem chinesischen Freizeitpark bei der Anleitung zum Bogenschießen gelesen habe.

Früher war das immer ein Riesenproblem, das mit den Namen. Ich habe mal in einer Band gespielt, die sich eine Woche lang ernsthaft "Blue Key" genannt hat, aber da war ich auch erst 15. Das Problem ist ja: Der Name muss lässig klingen, auf Plakaten gut aussehen und eine subtile Botschaft besitzen, die sich nicht sofort erschließt. Und: Er muss total doof sein. "Die weißen Streifen"! Mein Gott! "Die Straßen"! "Oase"! Ein Glück, dass die englische Sprache großzügig über jeder Dummheit den Camouflage- mantel der Lässigkeit ausbreitet.

In dem Alter, in dem die Menschen aufhören, in Bands zu spielen, beginnen sie übrigens damit, Kinder zu zeugen, die dann auch wieder getauft werden müssen. In Deutschland ist es momentan ja wieder total schmoove und angesagt, seinen Kindern alte, deutsche Namen zu geben, zum Beispiel Erich. Ich gehe seitdem im Freundeskreis mit zwei Vorschlägen hausieren, die sowohl modern als auch klassisch sind, aber bisher wollte sie noch keiner seinem Nachwuchs in den Pass schreiben. Dabei passen "Kevin-Maria" und "Justin-Fürchtegott" bombig zu jedem Nachnamen.

Apropos Fernmeldegeheimnis: Der Zusammenhang zwischen Namen und sozialer Herkunft ist ja hinreichend untersucht. Alexander von Bismarck, Cindy Schmitz – da hat jeder gleich ein Bild vor Augen. Ein neues Phänomen aber ist der Zusammenhang zwischen WLAN-Namen und ihren Besitzern: Man sitzt in einer Großstadtwohnung, will ins Internet und empfängt das Signal von 25 WLAN-Netzwerken. Auch deren Namen müssten Rückschlüsse auf ihre Besitzer zulassen. Bloß: Welche? Wer arbeitet im "schlachterraum"? Wer macht mit beim "Stricklislmassaker"? Welcher Langweiler ist "WLANModem200"? Könnte sich da mal ein Soziologe um eine Kategorisierung kümmern?

Bisweilen können Namen auch täuschen. Meine Nachbarin hat ihr Netzwerk zum Beispiel "Susi Sorglos" genannt. Das klingt nett und sympathisch, da will man sich gern einloggen. Nachdem sie aber bei der Installation ihren Router brüllend an die Wand warf und der Klang zerknirschenden Plastiks in meine Wohnung drang, wäre ein WLAN-Name wie "scheißarschlochdrecksnetzfunktionierendlich!" vielleicht ehrlicher gewesen.

Hausaufgabe fürs nächste Mal:

Einen neuen Namen fürs WLAN ausdenken