Dorothea Heidenreich, 26, Kultur- und Medienmanagement:

Die Grünen wähle ich aus Überzeugung. Ich bin aber bestimmt keine Ökotante, obwohl ich meinen Müll trenne und versuche, so wenig wie möglich zu fliegen. Die Grünen kämpfen einfach für das, was mir wichtig ist: nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz, Bürgerrechte und soziale Gerechtigkeit. Auch bildungspolitisch vertreten sie meine Position: dass nämlich jeder Mensch, unabhängig von seiner Herkunft, dieselbe Chance auf Bildung haben sollte. Außerdem finde ich, dass die Grünen Ökonomie und Ökologie sehr clever miteinander verbinden.

Constantin Klemm, 22, Rechtswissenschaften:

Ich wähle Schwarz-Grün, weil ich glaube, dass sich diese beiden Parteien in vielen Punkten gut ergänzen würden. Zwar bin ich überzeugt, dass die CDU in vielen Bereichen die zukunftsträchtigeren Konzepte hat. Deshalb sitze ich auch für den RCDS im Studierendenparlament. Andererseits bin ich bei Fragen wie der Stammzellforschung eher aufseiten der Grünen. Nur den Atomausstieg sehen sie für meine Begriffe zu dogmatisch. Eine schwarz-grüne Doppelspitze würde mir gut gefallen: Cem Özdemir ist genauso authentisch wie Angela Merkel.

Adrian Bohn, 22, Evangelische Theologie:

Als engagierter Juso und überzeugtes SPD-Mitglied wähle ich natürlich Rot. Besonders was Gesundheitspolitik und Bildung angeht, haben wir momentan das beste Regierungsprogramm aller Zeiten – wir müssen es nur besser vermarkten. Das ist schwer, wenn man wie die SPD elf Jahre lang die Gelegenheit hatte, zu zeigen, wie es geht, und sie nicht richtig genutzt hat. Und dann ist da auch noch Frank-Walter Steinmeier. Der ist zwar ein passabler Kandidat. Aber als Kanzler kann ich ihn mir trotzdem nicht so richtig vorstellen.

Dirk Schreiber, 21, BWL:

Ich weiß immer noch nicht, was ich wählen soll, weil sich die Parteien mehr und mehr ähneln. Andauernd wechseln sie die Positionen, und man weiß gar nicht mehr, wer für was steht. Deshalb schaue ich mir alle Parteiprogramme genau an. Auch die von kleineren Parteien, die gerade erst gegründet wurden. Die Freie Union um die Ex-Landrätin Gabriele Pauli zum Beispiel hat echt gute Ideen. Entschieden bin ich aber noch nicht. Nicht zu wählen kommt für mich auf keinen Fall infrage. Wählen ist Pflicht für jeden, dem nicht egal ist, in welcher Gesellschaft wir leben.

Anne Pauly, 28, Gender Studies:

Angela Merkel ist für mich die perfekte Kanzlerin: ernst, souverän, intelligent – und sie ist eine Frau. Da stört es mich überhaupt nicht, dass sie konservative Politik macht. Ich orientiere mich ohnehin nicht an Parteien. Bei der Europawahl habe ich sogar mit dem Wahlomat entschieden, einem Internetdienst, der herausfindet, welche Partei zu einem passt. Ich finde es wichtig, dass mehr Frauen in politische Ämter kommen, sie müssen ja nicht gleich Frauenpolitik machen. Dafür hat Merkel ihre tolle Ministerin Ursula von der Leyen. Nicht jede Frau muss Feministin sein.