ZEIT CAMPUS: Herr Runte, in Ihrer Diplomarbeit lassen Sie die Helden aus Videospielen lebendig werden. Ist das eine Hommage an die Daddelspiele unserer Kindheit?

Patrick Runte: Nein, im Gegenteil. Schon als Kind bin ich lieber mit meinen Freunden draußen Skateboard gefahren, als allein im Haus vor dem Gameboy zu hocken. Meine Arbeit ist eher eine Ode an das Spielen auf der Straße.

ZEIT CAMPUS: Inwiefern?

Runte: Forscher berichten über die Zunahme von motorischen Störungen bei Kindern, schuld ist der Bewegungsmangel. Das hat mich zum Nachdenken gebracht.

ZEIT CAMPUS: Ist Ihre Arbeit also eine Kritik an "Pacman" und Co?

Runte: Ich will das Computerspielen nicht verteufeln. Schließlich kann es zeitweise auch Spaß bringen. Und doch würde ich mir wünschen, dass wir wieder aktiver werden und uns nicht zu sehr von der digitalen Welt vereinnahmen lassen.

ZEIT CAMPUS: Was ist am Spielen auf der Straße so besonders?

Runte: Ein Computerspiel besteht aus Regeln und Wiederholungen, solche Beschränkungen gibt es beim Straßenspiel nicht. Dort zählt nur die eigene Fantasie. Ein Baum wird zu einem Haus, eine alte Tonne zu einem Raumschiff. Nicht der Sieg am Ende des Spiels zählt, sondern das Spielen selbst. So wird der Weg zum Ziel. Darum geht es mir.

ZEIT CAMPUS: Sollte man als Erwachsener also wieder mit dem Spielen anfangen?

Runte: Warum nicht. Den Wunsch, zu spielen und Kind sein zu dürfen, haben wir doch alle noch. Das bedeutet ja auch ein Stück Freiheit.

ZEIT CAMPUS: Wie sind Sie bei Ihrer Arbeit vorgegangen? Haben Sie vor dem Fotografieren ausgiebig "Tetris" gespielt?

Runte: Nein, ich bin wie in meiner Kindheit um die Blocks gezogen und habe erst mal nach Orten gesucht, die den digitalen Spielfeldern ähneln. So wurde ein Parkplatz zu einem Tenniscourt für das Spiel Pong und eine Laufbahn zu einem Flipperautomaten.

ZEIT CAMPUS: Nach welchen Kriterien haben Sie die Spiele ausgesucht?

Runte: Ich habe mich für die klassischen Spiele wie Pong und Tetris entschieden, weil ich diese Spiele selber noch kenne und weil mich die Formen wie Dreieck, Kreis und Rechteck an die Kunst des Bauhauses erinnern.

ZEIT CAMPUS: Was haben denn banale Spiele wie "Ballerburg" und eine Kunstepoche wie das Bauhaus gemeinsam?