Wer Science-Fiction-Filme schaut, der weiß: Die Welt muss nicht so sein, wie sie bei uns ist. Captain Kirk und seine Crew fliegen in Star Trek in Raumschiffen, die wir im Straßenverkehr noch nie gesehen haben. Im Film Star Wars hat Luke Skywalker telekinetische Fähigkeiten, die wir an uns noch nie entdeckt haben. Auch Philosophen sprechen manchmal darüber, dass alles ganz anders sein könnte. Ihre Galaxien sind mögliche Welten. Mit Captain Kirk haben die nur noch wenig zu tun. Viel mehr mit Vorstellungen, mit Möglichkeiten. So stellen wir uns vor, was sich wohl ereignet hätte, wenn John McCain Präsident der USA geworden wäre. Das wäre eine "mögliche Welt", eine andere Welt als die, in der wir aktuell leben.

Gottfried Wilhelm Leibniz, das Universalgenie des frühen 18. Jahrhunderts, hat den Begriff von den "möglichen Welten" geprägt. Warum wir – von allen möglichen Welten – ausgerechnet in dieser unserer Welt leben, erklärt er mit Gott. In seiner Vorstellung hat Gott die beste dieser möglichen Welten ausgesucht und sie zu unserer gemacht. Damit versucht Leibniz auch das Theodizeeproblem zu lösen, die Frage "Warum lässt Gott das Leid auf dieser Welt zu?". Er lässt es zu, weil diese Welt eben die bestmögliche ist. Heute sprechen Philosophen aus anderen Gründen über mögliche Welten. Sie fragen sich, in welchen möglichen Welten bestimmte Aussagen wahr sind oder nicht und inwieweit sich diese möglichen Welten von der aktuellen unterscheiden. So können wir uns sehr viele mögliche Welten vorstellen, in denen Barack Obama nicht Präsident ist, aber keine, in der Kreise rechteckig sind.

Uneinig ist man sich darüber, was mögliche Welten genau sind. Sind sie abstrakt, also so etwas wie Zahlen? Oder sind sie fiktional, wie eine Romanfigur? Der Philosoph David Lewis glaubte sogar, dass all diese möglichen Welten tatsächlich existieren. Dabei sind sie ihm zufolge mit der aktuellen Welt weder in der Zeit noch im Raum verbunden, sie sind isoliert. Viele Philosophen finden das zu extravagant. Womit wir wiederum bei Star Trek wären: Innerhalb der Crew mag es sinnvoll sein, anzunehmen, dass es Klingonen gibt; das erklärt vieles. Deswegen müssen wir aber noch lange nicht alle glauben, dass es sie wirklich gibt.

Vanessa Morlock, 31, ist Geschäftsführerin des Exzellenzclusters 16 in Konstanz