Meine erste Bühnenerfahrung habe ich als Räuber in Ali Baba und die 40 Räuber gesammelt. Ich war 11 Jahre alt, und die Mutter des Lehrers, der das Stück inszeniert hatte, sagte: »Der wird mal Schauspieler!« Damals war die Rampensau in mir offensichtlich schon erkennbar.

Ich hatte einen großen Drang zur Bühne, dabei sollte ich eigentlich in die Fußstapfen meines Vaters treten, der Professor der Finanzwissenschaften war. Ich aber entschied mich für das Studium der Psychologie, was damals, mit 18 Jahren, sicher auch mit meinem Coming-out als Schwuler zu tun hatte.

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Mein Studium habe ich nach sieben Semestern abgebrochen – ich wollte Theater spielen, und beides nebeneinander ging nicht. Ich war 25 Jahre alt, habe auf mein Bauchgefühl gehört und mich für die Bühne entschieden. Unsere damalige Theatergruppe hieß »Brühwarm«, wir haben schwules Agitproptheater gemacht. Die wesentliche Attraktion bestand damals in den Siebzigern wohl darin, dass viele Heterosexuelle erstmals fünf bekennende Schwule in der Öffentlichkeit gesehen haben.

Mit 26 Jahren habe ich mich in der Gründungsphase der Grünen Partei engagiert. 1980 wurde ich in Hamburg zur Bundestagswahl Spitzenkandidat auf der Landesliste, eine eher symbolische Kandidatur, uns war allen klar, dass wir nicht in den Bundestag kommen. Aber parteiintern war es wichtig, dass ein Schwuler in einem Landesverband kandidierte. Wir haben ein gutes Ergebnis erzielt und gezeigt, dass man mit einem schwulen Spitzenkandidaten keine Stimmen verliert, im Gegenteil.

Mit 35 Jahren habe ich zusammen mit Freunden ein eigenes Theater eröffnet, das Schmidt Theater auf St. Pauli. Der Eröffnungstag war der 8. August, Punkt 8.08 Uhr ging es los. Es läuft bis heute erfolgreich.

Um meinen 50. Geburtstag herum habe ich überlegt, was ich noch machen möchte. Auf meiner Geburtstagsfeier habe ich fahrlässigerweise gesagt, dass ich mir vorstellen könnte, Präsident eines Fußballclubs zu werden. Und eine Oper wolle ich noch inszenieren. Zwei Wochen später war ich Präsident des FC St. Pauli, mein Vorgänger war überraschend zurückgetreten. Ein Ehrenamt, das mir inzwischen Spaß macht, zwischenzeitlich habe ich es aber oft bereut. Jetzt bin ich 56 Jahre alt, und im Moment wird auch meine zweite Geburtstagsfantasie real. Ich inszeniere in Rostock die Oper Das Aquarium oder Die Stimme der Vernunft. Die Welturaufführung der zweiten Oper von Georg Kreisler. Ich verehre ihn seit meiner Jugend.