Leider ist die Antwort ganz einfach: Gerade weil jemand gute Bücher schreibt, sind seine Seminare manchmal eher flau. Denn gute Bücher zu schreiben kostet Zeit, und die fehlt dann für die Vorbereitung des Unterrichts. Und ein guter Text als Vorlage hilft dem Prof im Seminar nicht viel.

Vor zweihundert Jahren, zu Zeiten Hegels und Schellings, war das noch anders. Das Modell Schweinchen Schlau regierte: Der Professor betritt den Saal, alles schweigt und spitzt die Federn, um am Ende möglichst mit einer vollständigen Mitschrift den Saal wieder zu verlassen. Verstehen konnten Hegel sicher auch damals die wenigsten, aber man war dabei gewesen, um die Intelligenz der Geistesheroen zu feiern. Je mehr Bücher unter ihrem Denker-Sockel steckten, desto besser.

Heute ist das anders. Den meisten Studenten fehlt das Sitzfleisch, um zwei Stunden still zuzuhören. Da hilft auch kein Ritalin. Die Juristen sind wie immer die Letzten, die sich in dieser Kunst noch üben. Und die Heiligenscheine der Professoren leuchten auch nicht mehr so hell.

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Das neue Leitbild des Profs ist der Showmaster. Gefragt sind nun klug gestellte Aufgaben, raffinierte Laboranweisungen und intelligente Rollenspiele. Der Prof muss die Spielanweisungen geben, und das unterhaltend und motivierend. Offiziell heißt das: studentenzentrierte und aufgabenorientierte Lehre.

Und dabei helfen nun mal keine Bücher. Am Ende des modernen Seminars steht nicht die richtige Antwort, die der Schlaukopf Professor zu Hause ausgetüftelt und elegant aufs Blatt geworfen hat, sondern die Motivation der vielen Kursteilnehmer, weiter an den Aufgaben zu basteln. Um dahin zu kommen, muss sich der Prof schon etwas ausdenken – aber eben keine Bücher. Vom Ansatz her ist das auch gut so. Schließlich sollen Studenten nicht fremde Gedanken nachbeten, sondern Nachdenken lernen und eigene Ideen entwickeln. Wir brauchen viele Zauberlehrlinge!

Trotzdem würde ich weiter zu den Profs gehen, die gute Bücher schreiben, aber nicht inspirieren können. Denn irgendwie muss man schlussendlich doch lernen, sich selbst zu inspirieren. Und gute Bücher sind da immer noch der beste Anstoß.

Apropos gute Bücher: Offenbar liest Du (ich erlaube mir das Du in aller Gegenseitigkeit) akademische Bücher und hast Spaß daran. Damit gehörst Du zu der kleinen Minderheit von Studenten, die das erschwingliche akademische Taschenbuch am Leben erhalten – danke!

Professor Fritz Breithaupt, 42, erklärt in ZEIT CAMPUS regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrte Germanistik in Hamburg, Mannheim und an der FU Berlin und arbeitet nun an der Indiana University in Bloomington, USA