ZEIT CAMPUS: Frau Käßmann, Sie sind seit Ende Oktober Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Das ist das höchste Amt dieser Kirche. War Ihre Beförderung ein Triumph?

Margot Käßmann: Eine Beförderung ist es ja nicht, es ist ein zusätzliches Ehrenamt, das ich neben dem Amt der Bischöfin ausüben darf.

ZEIT CAMPUS: Empfinden Sie eigentlich einen persönlichen Ehrgeiz, der dadurch befriedigt ist?

Käßmann: Das ist ziemlich männliches Denken, zu sagen: Ich möchte jetzt Karriere machen. Offen gestanden habe ich immer eher Muffensausen vor solchen Schritten gehabt. Ich weiß noch, wie ich 1994 am 1. Juni auf dem Stuhl des Generalsekretärs des Evangelischen Kirchentags saß und dachte: Du lieber Himmel, was macht eigentlich ein Generalsekretär?

ZEIT CAMPUS: Was ist dann Ihre Motivation?

Käßmann: Es mag vermessen klingen, aber ich will meinen Teil dazu beitragen, die Welt zu verbessern. Mir liegt daran, Menschen zu überzeugen, dass unsere Kirche großartig ist und dass unser Glaube hält und trägt.

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ZEIT CAMPUS: Aber das ist doch auch Ehrgeiz.

Käßmann: Stimmt. Ich habe früher eher gelitten unter dem Begriff Ehrgeiz, heute kann ich ihn ertragen.

ZEIT CAMPUS: Warum?

Käßmann: Ehrgeiz war für mich immer eine Eigenschaft von selbstbezogenen Menschen. Heute sehe ich meine vier Töchter, die ziemlich ehrgeizig sind, und ich finde das gut. Sie müssen sich ja ihren Lebensweg selbst aufbauen. Insofern würde ich Ehrgeiz nicht mehr negativ betrachten. 

ZEIT CAMPUS: Was würden Sie denn einem Berufsanfänger raten, der über einen Job in der Kirche nachdenkt?

Käßmann: Von einem Job würde ich nie reden.