Als Sophie in der Dämmerung von der Uni nach Hause radelt, bremst neben ihr ein dunkles Auto. Die Scheibe surrt herunter. "He – du! Wie viel?", fragt ein Mann. "Ich studiere hier nur!", sagt Sophie. "Komm, hab dich doch nicht so", sagt der Mann, "30 Euro?"

Es ist nicht das erste Mal, dass Sophie auf dem Nachhauseweg von einem Freier angesprochen wird – der Bonner Straßenstrich verläuft direkt vor dem Institut für Chemie und Pharmazie. Als sie im Sommer mit Freunden auf dem Campus grillte, führte eine Prostituierte ihren Kunden an seinem Penis spazieren und verschwand mit ihm in einem Gebüsch. Manchmal kommt Sophie ihr Campus vor wie das Rotlichtviertel einer Großstadt. Auf dem Parkplatz und in den Toiletten liegen Spritzen und Kondome. Auch Spanner und Exhibitionisten treiben sich in der Nähe der Uni herum.

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"Dieses Milieu ist sehr gefährlich", sagt Sophie. Ihre Freundin wurde schon von Prostituierten als Konkurrentin gesehen und vom Bürgersteig auf die Straße geschubst. Zum Glück kam gerade kein Auto. Die Freier, die im Internet ebenfalls über die Situation diskutieren, sehen das gelassener. "Puffveteran" schreibt, die Studentinnen sollten sich nicht wundern, für Prostituierte gehalten zu werden, sie sähen schließlich auch so aus.

Die Stadt Bonn versuchte, das Problem lösen, indem sie Prostitution nur noch zwischen acht Uhr abends und sechs Uhr morgens erlaubte. Aber der Wachdienst der Universität meldete nach einem halben Jahr schon 220 Verstöße. Im Dezember entschied der Stadtrat nun, den Strich zu verlegen. Doch die Lösung stößt auf Kritik. Die Sozialpolitikerin Uschi Salzburger klagt, der neue Strich sei zu kurz, "da passen nicht alle Frauen hin". Ohne den Schutz ihrer Kolleginnen aber seien die Prostituierten ihren Freiern völlig ausgeliefert. Daran hätten die Studenten bei ihrem Protest wohl nicht gedacht.