Eckart von Hirschhausen will nicht in der Mensa Kaffee trinken, sondern spazieren gehen. Ist gesünder, auch bei Interviews. Außerdem kann er so Heidelberg zeigen, die Stadt, in der er zum Dr. med. promovierte.
Arzt wurde er danach trotzdem nicht, sondern omnipräsenter Medizinunterhalter. Wenn er kommt, sind die Säle voll, die meisten Kleinkunstpreise hat er mittlerweile bekommen, und keiner verkaufte im vergangenen Jahr mehr Sachbücher als er. Außerdem hält er Vorlesungen über die richtige Kommunikation zwischen Arzt und Patient, seine Stiftung Humor hilft Heilen fördert das "therapeutische Lachen in Medizin, Arbeitswelt und Öffentlichkeit" – und obendrein moderiert er eine Talkshow.

ZEIT CAMPUS: Kennen Sie den? "Herr Doktor, Herr Doktor, ich kann in die Zukunft sehen."

Eckart von Hirschhausen: Nein.

ZEIT CAMPUS: Ihr Satz wäre: "Wann hat das angefangen?"

Hirschhausen: "Wann hat das angefangen?"

ZEIT CAMPUS: "Nächsten Donnerstag."

Hirschhausen: Okay. Sehr schön. Auch gut: "Herr Doktor, Herr Doktor, ich werde immer übersehen."

ZEIT CAMPUS: "Der Nächste, bitte."

Hirschhausen: Ich sehe, Sie kennen sich aus.

ZEIT CAMPUS: Patienten erzählen dauernd Ärztewitze. Gibt es bei den Ärzten auch Patientenwitze?

Hirschhausen: Nicht wirklich. Man erzählt sich Anekdoten über Dinge, die schiefgelaufen sind. Aber es gehört ja zur Natur des Witzes, dass er Angst abbaut. Das erklärt, warum es wesentlich mehr Witze über Ärzte als über Patienten gibt. Wir sind strategisch einfach in der besseren Position.

ZEIT CAMPUS: Der Arzt hat keine Angst vorm Patienten?

Hirschhausen: Doch, natürlich. Er hat immer Angst, dass er doof dasteht. Das hat sich durch das Internet radikal verschärft. Wer heute zum Arzt geht, hat schon seitenweise Fachinformationen gegoogelt, und kein Arzt kann alles wissen.

ZEIT CAMPUS: Daran tragen Sie mit Schuld. Sie bringen Medizin unterhaltsam auf die Bühne, auf dass das Volk was lerne. 

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Hirschhausen: Das halte ich für einen guten Gebrauch dessen, was hier an der Uni in mich investiert wurde. Ich glaube außerdem, dass das klassische Arzt-Patienten-Verhältnis im 21. Jahrhundert nicht mehr funktioniert. Das "Ich habe den weißen Kittel, und du darfst froh sein, wenn ich mein Wissen mit dir teile"-Verhältnis. Das heißt aber in der Praxis, dass die Arztausbildung komplett am Thema vorbeigeht. Wir lernen sehr viel über sehr absurde Krankheitsbilder, aber extrem wenig über Kommunikation oder über Motivation.

ZEIT CAMPUS: Sie betreiben Präventionshumor.

Hirschhausen: Genau. Ich betrachte Medizin als die Wissenschaft vom inneren Schweinehund. Wir wissen doch eigentlich alle, was uns guttäte – aber warum tun wir es nicht öfter?

ZEIT CAMPUS: Gehen wir deswegen jetzt gerade spazieren?

Hirschhausen: Ja. Der Mensch braucht Bewegung und Licht. Außerdem gibt es die besten Gespräche nach Partys in der Küche und beim Spazierengehen.