Die Universität ist eigentlich kein Ort, die Universität ist ein Ereignis. Es findet immer dann statt, wenn gemeinsam gelernt und geforscht wird. Deswegen müsste es das Ziel sein, allen die Lust am Denken und Erfinden zu vermitteln. Aber wie kann man das fördern?

Zunächst wissen die wenigsten an den Unis, was sie dort eigentlich sollen. Jeder Student braucht einen persönlichen Betreuer, der ihn vom ersten Tag an begleitet und zu dem er am letzten Tag mit ungekühltem Sekt rennt, wenn die letzte Prüfung bestanden ist.

Das zweite Problem sind die Stundenpläne und die Räume der Hochschulen. Auf Drahtstühlen, unter Neonsonne, zwei Stunden die Woche – da kommt wenig Gemeinsamkeit auf. Einige Profs machen deswegen aus ihren Kursen Wochenendexkursionen, etwa in eine hübsche Jugendherberge oder in ein Kloster. Wenn man gemeinsam Zeit verbringt, lernt, diskutiert, isst, trinkt und feiert – das ist Universität! Es ist schon traurig, dass man dazu den Ort Hochschule fliehen muss.

Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen © ZEIT Campus

Zum Dritten würde ich die heilige Kuh des deutschen Uni-Systems schlachten, das veraltete Lehrstuhl-Unwesen. Das muss ein Ende haben. Derzeit funktioniert das so: Wenn ein Prof berufen wird, bekommt er eine Ausstattung mit einem sogenannten Apparat. Das sind seine Mitarbeiter, Geräte und sein Etat. Der Apparat dient nur ihm, nicht dem Fachbereich. Vor allem aber soll er den Prof vor den Studis schützen, nach dem Motto: Mein Apparat ist meine Burg. Die Mitarbeiter nehmen Prüfungen ab, schreiben Gutachten und benoten Seminararbeiten. Es ist schon auffällig, wie oft Professoren in der Sprechstunde eine Idee dieser Art kommt: "Sie wollen sich zur Kolonialpolitik des 19. Jahrhunderts prüfen lassen? Da sollten Sie sich unbedingt an meine Mitarbeiterin wenden, die macht immer in Afrika Urlaub, das ist genau das Richtige für die!"

Auf seine Burg ist der Professor stolz. Daher sind die meisten Profs auch gegen Reformen, da diese ihren Herrschaftsbereich antasten würden. Die Grabenkämpfe zwischen den Lehrstühlen nennt man das Klima am Fachbereich. Man spricht von einem guten Klima, wenn die Burgherren sich auf dem Gang grüßen. Dieses Lehrstuhl-Unwesen reibt viele Kräfte auf, da jeder Prof zum Kriegsherrn werden muss. Ich glaube aber, dass die meisten mehr davon hätten, wenn alle an einem Fachbereich die Ressourcen teilen und als Team auftreten würden.

Denn auch die Profs brauchen mehr Universität. Wer als Lehrstuhlinhaber an der Spitze eines Apparats sitzt, muss alle beschäftigen, kontrollieren, loben und tadeln. Zum Lernen und kreativen Ausprobieren fehlt nicht nur die Zeit. Als Boss darf man sich keine Blöße geben. Das lähmt die Forschung und das Lernen.

Professor Fritz Breithaupt, 42, erklärt in ZEIT CAMPUS regelmäßig das Innenleben der Profs. Er lehrt derzeit an der Indiana University in Bloomington, USA. Haben Sie auch eine Frage? Dann schreiben Sie eine E-Mail an fritz@zeit.de