Frauen sind besser, Männer gewinnen

Von: Inge. Betreff: Grüße an den Chauvi!

Justus, was war das denn?! Hast du gerade in der Konferenz wirklich gesagt, dass Männer und Frauen niemals gleich sein werden? Das kann nicht dein Ernst sein.

Von: Justus. Re: Grüße an den Chauvi!

Doch. Weil es nämlich so ist.

Von: Inge. Re: Re: Grüße an den Chauvi!

Wir sind doch schon weit gekommen. Sieh dir nur mal die Unis an: Dort studieren inzwischen fast auf die Kommastelle genau 50 Prozent Männer und 50 Prozent Frauen.

Von: Justus. Re: Re: Re: Grüße an den Chauvi!

Ja, das ist aber auch alles. Die Gleichberechtigung endet, wenn alle anfangen zu arbeiten. Jeder glaubt doch, dass man alles erreichen kann, egal, ob Mann oder Frau. Aber das stimmt einfach nicht.

  Von: Inge. Re: Re: Re: Re: Grüße an den Chauvi!

Wieso nicht? Was Noten angeht, haben Frauen die Männer schon überholt: 2008 machten 33.500 Frauen ihr Examen mit einer Eins, das schafften nur 29.000 Männer. Warum sollten sie die Männer nicht auch im Beruf einholen? Die Studenten wiederum haben gemerkt, dass Karriere nicht alles ist. Denk an unsere ZEIT-CAMPUS-Umfrage von 2008, da sagten 71 Prozent der Männer, sie wollten später viel Zeit mit der Familie verbringen. Beide können jetzt alles haben, Beruf und Familie.

Von: Justus. Betreff: Grüße an die Träumerin!

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Was ist dann damit: 83 Prozent der deutschen Frauen putzen zu Hause immer noch die Toilette. Das habe ich gerade in einer Studie des Statistischen Bundesamtes gelesen. Nur zwei Prozent der Männer bügeln zu Hause ihre Hemden selbst. Irgendwann landen Männer und Frauen doch wieder in den alten Rollen, das sehe ich traurigerweise gerade bei einer Freundin von mir. Sie hat Physik studiert, ein Topexamen hingelegt und drei Jahre lang in einer Unternehmensberatung gearbeitet. Jetzt hat sie ein Kind bekommen, steht jeden Tag in der Küche und rührt Babybrei. Ihr Mann schafft das Geld ran und sieht das Kind nur schlafend oder am Wochenende. Im Studium wollten die beiden alles anders machen als ihre Eltern. Heute sind sie genauso wie sie. Seit den fünfziger Jahren hat sich nicht viel geändert.

Von: Inge. Re: Grüße an die Träumerin!

Und ob sich seitdem was geändert hat! Bis Mitte der siebziger Jahre durften Frauen in Deutschland nur arbeiten, wenn sie dazu die Erlaubnis ihres Ehemanns hatten – stell dir das einmal vor! Mittlerweile können auch Männer Elternzeit nehmen, und es ist selbstverständlich, dass wir von einer Kanzlerin regiert werden. Ich gebe allerdings zu, dass das alles noch nicht genug ist. Auch mir sind gerade ein paar solcher Physikerinnen eingefallen, die einen Doktortitel haben und nun nichts tun, als zu Hause bei ihren Kindern die Windeln zu wechseln. Vielleicht sollten wir einmal rauskriegen, woran das eigentlich liegt.

 Mit Kuschelfächern macht man keine Karriere

Von: Justus. Betreff: Frauen wählen falsche Fächer

Mit Kuschelfächern macht man keine Karriere.
Justus Bender

Einen Grund kann ich dir direkt sagen: Frauen studieren die falschen Fächer. Sie machen zwar öfter Abitur als Männer, studieren öfter, haben bessere Noten und behaupten auch, sie wollten in die Chefetagen und dort ordentlich Geld verdienen. Aber dann studieren sie nicht die Fächer, mit denen man das schafft. Das Fach mit den meisten Frauen ist immer noch Germanistik, das Fach mit den meisten Männern ist Informatik. Ein Durchschnittsgermanist verdient nach zehn Jahren im Beruf 51.300 Euro, ein Informatiker verdient 70.800 Euro. Frauen bevorzugen die Kuschelfächer, Sozialwissenschaften, Sprachen, Lehramt. Warum studieren Frauen statt Larifari nicht öfter mal ein Karrierefach?

Von: Inge. Re: Frauen wählen falsche Fächer  

Weil Frauen von Anfang an nicht nur an die Karriere denken, sondern eben auch daran, dass sie einmal Familie haben wollen. Ich habe gerade mit der Psychologin Christine Bieri von der Pädagogischen Hochschule Zürich telefoniert, sie forscht seit über einem Jahr zu dem Thema "Warum entscheiden sich Frauen nicht für den Ingenieurberuf, und warum werden Männer nicht Grundschullehrer?". Sie sagte: "Frauen schrecken oft vor Berufen zurück, bei denen sie Angst haben, sich eine Babypause nicht erlauben zu können." Vom Informatikerdasein etwa nähmen viele Frauen an, man müsse stets auf dem neuesten Stand sein und könne keine Babypause nehmen. Deswegen studieren so wenige Frauen Informatik.

Von: Justus. Re: Re: Frauen wählen falsche Fächer

Sorry, dann können wir Männer euch auch nicht helfen. Was soll man einer Frau denn sagen, wenn sie Grundschullehramt studiert und sich beschwert, dass der Chef der Deutschen Bank ein Mann ist? Sie ist doch selbst schuld, dass sie nicht an seiner Stelle sitzt! Unter den Vorstandsvorsitzenden der 30 größten Unternehmen Deutschlands hat niemand ein Kuschelfach studiert, dort sitzen elf Wirtschaftswissenschaftler, zehn Ingenieure, sechs Juristen und drei Naturwissenschaftler. Nur ein Drittel der Akademikerinnen studiert solche Fächer. Und: Ich habe gerade eine Studie der Wirtschaftswissenschaftlerin Sonja Bischoff gelesen, laut der ein Drittel der deutschen Führungskräfte im mittleren Management Frauen sind. Gemessen an ihren Studienfächern, sind Frauen in den Chefetagen nicht einmal unterrepräsentiert.

Von: Inge. Betreff: Männer denken zu spät an die Familie

Es sind trotzdem zu wenige. Aber die Fragen, die sich Frauen bei der Fächerwahl stellen, sind wichtig: Kann ich damit einen Beruf ergreifen, in dem ich auch einmal für ein paar Monate aussetzen kann? Bleibt mir Zeit, morgens ein Kind in die Kita zu bringen und abends ins Bett? Auch bei mir schwang das damals unterbewusst mit. Männer denken in dem Moment noch gar nicht daran. Warum eigentlich nicht? In unserer ZEIT-CAMPUS-Umfrage und auch in Umfragen des Familienministeriums betonen gerade Studienanfänger, dass sie in Zukunft mehr Zeit für ihre Familie haben und sich die Hausarbeit mit ihren Frauen teilen wollen. Wenn das mehr sein soll als sozial erwünschtes Blabla, müssen sie das, bitte schön, bei der Wahl ihres Studienfachs mitbedenken.

Von: Justus. Re: Männer denken zu spät an die Familie

Du sagst, Männer sollten weniger arbeiten. Da frage ich mich: Können sie sich diesen Luxus überhaupt leisten? Ich habe kürzlich das Buch Überlisten Sie Ihr Beuteschema von Stefan Woinoff gelesen. Der ist Psychologe in München und hat festgestellt, dass Frauen bei ihrer Lebensplanung immer noch davon ausgehen, einmal einen Mann zu haben, der die Familie versorgt. Er schreibt: "Frauen wollen arbeiten, um finanziell unabhängig zu sein. Aber keine Frau sagt: 'Ich will einen Beruf, mit dem ich mich, meine Kinder, meinen Mann, ein Haus, zwei Autos und den Urlaub für die Familie finanzieren kann.' Sie sehen sich also unbewusst an der Seite von jemandem, der genug Geld verdient." Ich habe auch noch keine Frau getroffen, die Lust hatte, mich zu ernähren. Alle haben mir verklickert: Du bist im Zweifel der Versorger.

Von: Inge. Re: Re: Männer denken zu spät an die Familie

Lieber Justus, ich wollte das gerade vehement abstreiten – als mir einfiel, wie nett auch ich es finde, eingeladen zu werden.

Von: Justus. Re: Re: Re: Männer denken zu spät an die Familie

Ich finde es manchmal auch gut, die Rechnung zu bezahlen, man hat das Gefühl, seiner Freundin etwas bieten zu können. Aber: Nur wenn Frauen Fächer wählen, mit denen sie eine Familie ernähren können, werden Männer sich mehr um die Familie kümmern.

 Frauen haben es schwerer im Beruf

Von: Inge. Betreff: Frauen haben es schwerer im Beruf

Lieber Justus, du tust ganz so, als läge es an den Frauen allein, dass sie nicht weiterkommen. Es liegt aber auch an der Atmosphäre in den Unternehmen. Beim Berufseinstieg sind die Frauen nämlich noch gut vertreten, auch in den Topunternehmen: Von den Junior Consultants bei Unternehmensberatungen zum Beispiel stellen Frauen über ein Drittel. Bei der Großkanzlei Freshfields steigen jährlich rund 35 Prozent Frauen ein. Aber dann haben sie es schwerer, sich durchzusetzen.

Von: Justus. Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Das ist doch eine alte Leier.

Von: Justus. Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Inge?

Von: Inge. Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Im Berufsleben bestimmen immer noch die Männer.
Inge Kutter

Lieber Justus, jetzt hat es etwas gedauert mit der Antwort, ich war unterwegs, weil ich wissen wollte ob deine "alte Leier" immer noch gilt – oder ob es mir nur so vorkommt. Ich war bei Marion Knaths, sie betreibt in Hamburg die Coaching-Agentur Sheboss, mit der sie "Unternehmen unterstützt, Frauen in Führung zu bringen". Sie hat mir Folgendes erklärt: "Männer und Frauen kommunizieren sehr unterschiedlich. Männer stellen durch ihre Kommunikation Hierarchien her, sie grenzen sich nach unten ab und sichern nach oben ihre Unterstützung zu. Frauen dagegen ebnen Hierarchien ein und schaffen Verbindlichkeit." Im Beruf aber gelten immer noch männliche Regeln, Frauen finden sich plötzlich in einer fremden Welt wieder. Ein klassisches Beispiel: Wenn sie eine neue Aufgabe übernehmen sollen, sagt der Mann zum Chef: "Das schaff ich locker!" Die Frau sagt: "Ich versuchs mal." Beide sind eigentlich gleich gut, aber der Mann wirkt kompetenter.

Von: Justus. Re: Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Dann müssen Frauen eben lernen, in der Männerwelt klarzukommen.

Von: Inge. Re: Re: Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Das versuchen sie ja (siehst du: weibliches Understatement!). Aber laut Knaths ändern Männer erst ab einem Frauenanteil von 30 Prozent ihren Kommunikationsstil. Bis dahin kostet es viel Kraft. "Frauen können nicht auf bewährte Methoden zurückgreifen", sagt sie. "Jungs lernen im Sandkasten, sich durchzusetzen, Mädchen wird beigebracht, beliebt zu werden. Damit kommen sie aber nicht weit." Früher hat man immer von der "gläsernen Decke" gesprochen: Bis dorthin dürfen Frauen in einer Firma aufsteigen, aber höher geht es nicht. Mittlerweile spricht man eher vom "gläsernen Labyrinth". In dem können Frauen zwar vorwärtskommen, verlaufen sich aber immer wieder.

Von: Justus. Re: Re: Re: Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Du sagst, Jungs werden öfter Chef, weil sie es schon im Sandkasten lernen. Aber wie willst du das ändern?

Von: Inge. Betreff: Wir brauchen eine Quote

Durch eine Quote. Neben jedem Mann im Vorstand muss eine Frau sitzen. Das sollte so lange verpflichtend sein, bis es selbstverständlich wird.

Von: Justus. Re: Wir brauchen eine Quote

Inge, Quoten sind ungerecht. Dann wird nicht mehr befördert, wer besser ist, sondern wer das richtige Geschlecht hat.

Von: Inge. Re: Re: Wir brauchen eine Quote

Und wer wird im Moment befördert? Doch auch nur, wer das richtige Geschlecht hat. "Homosoziale Reproduktion" nennt sich das, wenn Chefs erst einmal ihre männlichen Buddys unterstützen. Das sagt übrigens keine Frau, sondern der Soziologe Michael Hartmann. In Norwegen haben Quoten funktioniert: Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass es männliche und weibliche Führungsstile gibt. Und McKinsey hat mit der Women Matter- Studie 2008 sogar herausgefunden, dass Unternehmen, die gemischtgeschlechtlich geführt werden, mehr Umsatz machen.

 Männer sind machtgeiler als Frauen

Von: Justus. Betreff: Frauen wollen nicht Chef sein

Sollen Frauen, die gar keine Lust dazu haben, in den Chefsessel gezwungen werden? Sonja Bischoff, die Hamburger Wirtschaftswissenschaftlerin, hat dazu junge Chefinnen befragt: Nur ein Fünftel von ihnen sah am Anfang ihrer Karriere den Chefposten als Ziel, bei den Männern waren es zwei Fünftel. Unter Studenten wollen 61 Prozent der Männer später Chef sein, aber nur 52 Prozent der Frauen. Die amerikanische Psychologin Susan Pinker schreibt in ihrem Buch Das Geschlechterparadox sogar, dass den meisten Frauen der Chefsessel gar nicht wichtig ist. Sie argumentiert: Männer hätten Testosteron, das mache sie aggressiv und abenteuerlustig. Frauen hätten das Hormon Oxytozin, das gebe ihnen Mitgefühl und Sozialkompetenz.

Von: Inge. Re: Frauen wollen nicht Chef sein

Unterschiede zwischen Männern und Frauen ausschließlich biologisch zu erklären ist gerade sehr populär, ich weiß. Daneben gibt es aber noch die verhaltenspsychologische Sichtweise, nach der geschlechtsspezifische Verhaltensweisen nur anerzogen sind.

Von: Justus. Re: Re: Frauen wollen nicht Chef sein

Frauen wollen Alphamänner.
Justus Bender

Egal, wie man es erklärt: Frauen sind weniger machtgeil als Männer, auch in der Politik. Nur 31 Prozent der SPD-Mitglieder sind Frauen, in der CDU sind es sogar nur 25 Prozent. Kein Wunder, dass der Bundestag nur zu einem Drittel aus Frauen besteht, wenn die Parteien keine Frauen haben, die sie aufstellen können. Elke Ferner, die Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, hat mir erklärt: "Frauen sind selbstkritischer, sie überlegen oft dreimal, ob sie für ein Mandat kandidieren sollen." Warum also sollten wir Männer euch den Vortritt lassen? Männer haben den Hierarchiekampf nicht nur erfunden, sie führen ihn untereinander auch am aggressivsten. Wenn du sagst, dass du die männliche Arbeitswelt zu hart findest, kann ich nur sagen: Willkommen, ich auch! Für mich gelten die gleichen Bedingungen.

Von: Inge. Re: Re: Re: Frauen wollen nicht Chef sein

Warum müssen wir dieses Neandertalerprinzip dann beibehalten?

Von: Justus. Re: Re: Re: Re: Frauen wollen nicht Chef sein

Ich glaube, Konkurrenz motiviert Männer, mich ja auch. Vielleicht ist das Teil des Problems. Ein Mann, der Karriere macht, ist unter seinen Kumpeln der Größte. Eine Frau, die Karriere macht, kriegt von ihren Freundinnen gesagt: Du hast nie Zeit für uns! Wir Männer leiden auch unter dem Druck, aber wir haben uns damit abgefunden. Es gibt eben keine Karriere light. Es braucht Hunderte Männer, die es versuchen, bis einer von ihnen Chef wird, alle anderen scheitern auf dem Weg.

Von: Inge. Betreff: Männer machen sich selbst unglücklich

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Mit eurem Erfolgswahn macht ihr Männer euch doch selbst unglücklich. Frauen wollen ihre Freizeit, ihre Partnerschaft und ihre Familie nicht völlig der Karriere opfern, das belegt die aktuelle Brigitte- Studie. Ich muss dir ja nicht die Klischeegeschichte vom Chef erzählen, der am Ende seines Lebens plötzlich feststellt, dass er selbiges verpasst hat, weil er nur gearbeitet hat. Die Moral am Ende lautet immer: "Ach, hätte ich doch mehr Zeit mit meiner Familie verbracht!" Männern ginge es viel besser, wenn sie aufhören würden, sich allein über Erfolg zu definieren!

Von: Justus. Betreff: Weicheier kriegen keine Frau

Ein Mann, der keinen Erfolg hat, kriegt aber keine Frau ab.

Von: Inge. Re: Weicheier kriegen keine Frau

Justus, das ist doch völliger Quatsch.

Von: Justus. Re: Re: Weicheier kriegen keine Frau

Inge, was Frauen von Männern erwarten, grenzt an Schizophrenie: In der Öffentlichkeit fordern sie den modernen Mann, der weniger arbeitet, um bei den Kindern zu sein, der zurücksteckt, wenn eine Kollegin an seiner Stelle befördert wird. Aber privat suchen Frauen nach Männern, die das genaue Gegenteil davon sind. Frauen suchen Alphamänner. Männer mit Bildung. Mit Erfolg im Beruf. Mit Ehrgeiz und Leistungswillen. Mit Status und Geld. Sie suchen im Privaten genau die Männer, die sie in der Öffentlichkeit verteufeln. "Entscheidet sich der Mann, ein Familien-Mann zu sein, verliert er gegenüber Frauen an Status und Attraktivität. Stellt er Karriere über alles, ist er attraktiver, wird aber als rückständig kritisiert", hat Stefan Woinoff gesagt.

 Männlich, ledig, jung sucht Püppchen

Von: Inge. Re: Re: Re: Weicheier kriegen keine Frau

Das ist das primitivste Klischee, das ich je gehört habe!

Von: Justus. Re: Re: Re: Re: Weicheier kriegen keine Frau

Nein, das belegen Studien. Soziologen haben untersucht, wie sich Männer und Frauen in Internetkontaktbörsen verhalten: Frauen ignorieren Anfragen von Männern mit einem niedrigeren Bildungsniveau. Und dass Frauen keine kleineren Männer mögen, lernen wir Jungs schon in der Tanzschule. Frauen finden Männer nicht attraktiv, die dümmer, kleiner, jünger und ärmer sind als sie. Also suchen sie sich Super-Männer: Nur bei neun Prozent aller deutschen Paare hat der Mann einen niedrigeren Bildungsstand als die Frau, sagt das Statistische Bundesamt. Warum verliebt sich keine Juristin in einen Schreiner?

Von: Inge. Betreff: Männlich, ledig, jung sucht Püppchen

Was ist so schlimm daran, dass man sich einen Partner auf seinem Niveau sucht? Es sind doch die Männer, die sich nach unten orientieren. Ich bin erschrocken über die Untersuchungsergebnisse des Verhaltensforschers Karl Grammer, der jahrelang 12.000 Wiener Großstadtsingles beobachtet hat: 80 Prozent der Männer wählten ihre Partnerin nach dem Mad Men- Schema aus – Hauptsache, hübsch und gebärfähig.

Von: Justus. Re: Männlich, ledig, jung sucht Püppchen

Tja, dieses Beuteschema ist der Grund für alle Probleme: Wer kümmert sich um die Kinder? Die Frau natürlich, weil sie meist weniger verdient als ihr Supermann. Wer genießt mehr Prestige? Natürlich der Mann, weil er die Karriere macht, für die der Frau keine Zeit bleibt. Beim Flirt an der Uni denken Männer und Frauen noch, sie könnten beide alles haben. Zehn Jahre später sind sie genauso ungleich wie ihre Eltern.

Von: Inge. Re: Re: Männlich, ledig, jung sucht Püppchen

Ich habe mehr Optimismus als du. Unsere Generation ist schon weiter – jedenfalls sagt sie das. In der Studie des Familienministeriums haben die Studienanfänger angegeben, sie wollen eine Frau auf Augenhöhe. Und die Frauen sagen zumindest, dass sie einen Mann wollen, der sich mit ihnen um die Kinder kümmert.

Von: Justus. Re: Re: Re: Männlich, ledig, jung sucht Püppchen

Dann müssen sie aber auch so handeln.

Von: Inge. Betreff: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Lieber Justus, würdest du denn Elternzeit nehmen? Die meisten Männer drücken sich davor. Sie könnten sich mit den Frauen 14 Monate Elternzeit teilen! Aber lies mal die Zeitung: Erst 20 Prozent der Männer machen davon Gebrauch. Und: Die meisten von ihnen bleiben bloß die zwei Monate zu Hause, die das Gesetz vorschreibt, während Frauen ein ganzes Jahr lang pausieren. Mehr als eine symbolische Unterstützung ist das nicht.

Von: Justus. Re: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Ich müsste meinem Chef erst erklären, warum ich länger als zwei Monate Windeln wechseln will. Der denkt doch, ich will faulenzen. Ich habe mit Hans-Georg Nelles gesprochen, vom Netzwerk "Väter und Karriere". Der sagt: "Ein Chef, der sein Familienleben für die Karriere geopfert hat, womöglich geschieden ist, eine schlechte Beziehung zu seinen Kindern hat – der sieht es nicht gerne, wenn ein junger Mitarbeiter kommt und beides haben möchte, Familie und Karriere."

Von: Inge. Re: Re: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Dann müsst ihr dafür kämpfen! Wenn es ums Gehalt geht, seid ihr auch keine Feiglinge. Was denkst du, was sich Frauen alles anhören müssen. Ich habe darüber mit Gabriele Hantschel gesprochen, die Services-Managerin bei IBM und außerdem Vorstandsvorsitzende der Helga-Stödter-Stiftung zur Förderung von Frauen für Führungspositionen ist. "In vielen Unternehmen rechnet man gar nicht mit dem Wiedereinstieg junger Mütter", sagte sie. "Leider lassen sich auch viele Mütter aus dem Arbeitsleben verdrängen, weil sie keinen Sinn darin sehen, um ihren Platz zu kämpfen." Sie selbst hat gerade Zwillinge bekommen und war drei Monate nach der Geburt zurück im Büro. Denn: "Frauen, die erst nach einem Jahr oder später wieder einsteigen, haben gerade in innovativen Branchen oft den Anschluss verloren."

Wir brauchen eine Revolution in der Arbeitswelt

Von: Justus. Re: Re: Re: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Warum machen Frauen nicht einfach nach der Babypause Karriere?

Von: Inge. Re: Re: Re: Re: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Wir brauchen eine Revolution in der Arbeitswelt
Inge Kutter

 Lieber Justus, weil die Kinder nach der Babypause immer noch da sind – und dann sind sie meistens Frauensache. Die meisten Männer arbeiten Vollzeit. Die Frauen arbeiten etwas weniger und kümmern sich außerdem um Kinder und Haushalt. Ich kenne einige junge Mütter, die den kompletten Haushalt zusätzlich zu ihrem Job machen. Unter dieser Doppelbelastung leiden Frauen so sehr, dass sie stärker Burn-out-gefährdet sind als die Männer. Gleichzeitig können sie im Beruf kaum aufsteigen: Unternehmen dulden keine Chefs, die um Punkt 18 Uhr das Kind aus der Kita abholen müssen, in Teilzeit arbeiten oder sich freinehmen, weil das Kind Schnupfen hat. Ob sie nun männlich oder weiblich sind. Das muss sich ändern! Damit Männer und Frauen sowohl Karriere als auch Kinder haben können, brauchen wir eine Revolution der Arbeitswelt – für beide Geschlechter. Arbeit muss mobiler werden. Mit Internet und Smartphones wäre es möglich, gelegentlich von zu Hause aus zu arbeiten. Arbeit muss auch flexibler werden. Das bedeutet vor allem, dass nach Leistung bezahlt wird und nicht nach Anwesenheit. Müssen Konferenzen unbedingt noch um acht Uhr abends stattfinden?

Von: Justus. Betreff: Was passieren muss

Liebe Inge, das gesamte öffentliche Leben muss sich ändern. Neulich schickte die Telekom mir einen Techniker, der meinte, er werde "irgendwann zwischen 8 und 16 Uhr" kommen. Und der Stromableser stand am Mittwochnachmittag auf der Matte. In welchem Jahrhundert leben diese Menschen? Denken die, bei mir wohnt eine Hausfrau, die sich freut, wenn sie vorbeischauen, und die ihnen die Tür aufmacht? Das Gleiche gilt für die Kinderbetreuung: Bisher gibt es gerade einmal für jedes fünfte Kleinkind einen Krippenplatz, bis 2012 soll ein Drittel aller Kleinkinder versorgt werden.

Von: Inge. Re: Was passieren muss

Mein Traum ist aber nicht, dass alle nur noch arbeiten und die Kinder von morgens bis nachts in die Kita stecken. Stattdessen muss die Zeit so aufgeteilt werden, dass jeder mehr vom Leben hat. Dass Frauen Beruf und Familie haben. Dass Männer Beruf und Familie haben. Dass Kinder mit Müttern und Vätern aufwachsen.

Von: Justus. Re: Re: Was passieren muss

Liebe Inge, einverstanden. Alles hängt von der Balance zwischen Familie und Beruf ab. Aber: Wenn du plötzlich Mitte 30 bist und die Probleme da sind, dann ist es zu spät. Wer ein modernes Leben führen will, muss schon früher die Weichen richtig stellen, schon an der Uni. Frauen müssen auch Informatik studieren, Männer auch Grundschullehramt. Frauen müssen überlegen, ob sie den BWL-Studenten mit iPhone haben wollen oder den Soziologen, der kochen kann; Männer, ob sie das kleine Püppchen suchen oder die selbstbewusste Ingenieurin, die im Restaurant die Rechnung bezahlt. Und beide müssen schon bei der Bewerbung klarmachen, dass sie von einem Unternehmen erwarten, dass es familienfreundlich ist.

Von: Inge. Re: Re: Re: Was passieren muss

Klingt eigentlich ganz einfach. Es müsste halt nur mal jemand machen.

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Justus Bender, 28, hat in seinem Leben schon über 1000 Euro ausgegeben, um Frauen zum Essen einzuladen, und würde auch gerne mal die Tür aufgehalten bekommen. Inge Kutter, 29, hat schon einen Tanzkurs mit einem kleineren Mann gemacht und mindestens zehn Karriereratgeber für Frauen gelesen.  

Ganz anderer Meinung? Diskutieren Sie weiter unter www.zeit.de/campus/mannundfrau