Von: Inge. Betreff: Frauen haben es schwerer im Beruf

Lieber Justus, du tust ganz so, als läge es an den Frauen allein, dass sie nicht weiterkommen. Es liegt aber auch an der Atmosphäre in den Unternehmen. Beim Berufseinstieg sind die Frauen nämlich noch gut vertreten, auch in den Topunternehmen: Von den Junior Consultants bei Unternehmensberatungen zum Beispiel stellen Frauen über ein Drittel. Bei der Großkanzlei Freshfields steigen jährlich rund 35 Prozent Frauen ein. Aber dann haben sie es schwerer, sich durchzusetzen.

Von: Justus. Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Das ist doch eine alte Leier.

Von: Justus. Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Inge?

Von: Inge. Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Im Berufsleben bestimmen immer noch die Männer.
Inge Kutter

Lieber Justus, jetzt hat es etwas gedauert mit der Antwort, ich war unterwegs, weil ich wissen wollte ob deine "alte Leier" immer noch gilt – oder ob es mir nur so vorkommt. Ich war bei Marion Knaths, sie betreibt in Hamburg die Coaching-Agentur Sheboss, mit der sie "Unternehmen unterstützt, Frauen in Führung zu bringen". Sie hat mir Folgendes erklärt: "Männer und Frauen kommunizieren sehr unterschiedlich. Männer stellen durch ihre Kommunikation Hierarchien her, sie grenzen sich nach unten ab und sichern nach oben ihre Unterstützung zu. Frauen dagegen ebnen Hierarchien ein und schaffen Verbindlichkeit." Im Beruf aber gelten immer noch männliche Regeln, Frauen finden sich plötzlich in einer fremden Welt wieder. Ein klassisches Beispiel: Wenn sie eine neue Aufgabe übernehmen sollen, sagt der Mann zum Chef: "Das schaff ich locker!" Die Frau sagt: "Ich versuchs mal." Beide sind eigentlich gleich gut, aber der Mann wirkt kompetenter.

Von: Justus. Re: Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Dann müssen Frauen eben lernen, in der Männerwelt klarzukommen.

Von: Inge. Re: Re: Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Das versuchen sie ja (siehst du: weibliches Understatement!). Aber laut Knaths ändern Männer erst ab einem Frauenanteil von 30 Prozent ihren Kommunikationsstil. Bis dahin kostet es viel Kraft. "Frauen können nicht auf bewährte Methoden zurückgreifen", sagt sie. "Jungs lernen im Sandkasten, sich durchzusetzen, Mädchen wird beigebracht, beliebt zu werden. Damit kommen sie aber nicht weit." Früher hat man immer von der "gläsernen Decke" gesprochen: Bis dorthin dürfen Frauen in einer Firma aufsteigen, aber höher geht es nicht. Mittlerweile spricht man eher vom "gläsernen Labyrinth". In dem können Frauen zwar vorwärtskommen, verlaufen sich aber immer wieder.

Von: Justus. Re: Re: Re: Re: Re: Frauen haben es schwerer im Beruf

Du sagst, Jungs werden öfter Chef, weil sie es schon im Sandkasten lernen. Aber wie willst du das ändern?

Von: Inge. Betreff: Wir brauchen eine Quote

Durch eine Quote. Neben jedem Mann im Vorstand muss eine Frau sitzen. Das sollte so lange verpflichtend sein, bis es selbstverständlich wird.

Von: Justus. Re: Wir brauchen eine Quote

Inge, Quoten sind ungerecht. Dann wird nicht mehr befördert, wer besser ist, sondern wer das richtige Geschlecht hat.

Von: Inge. Re: Re: Wir brauchen eine Quote

Und wer wird im Moment befördert? Doch auch nur, wer das richtige Geschlecht hat. "Homosoziale Reproduktion" nennt sich das, wenn Chefs erst einmal ihre männlichen Buddys unterstützen. Das sagt übrigens keine Frau, sondern der Soziologe Michael Hartmann. In Norwegen haben Quoten funktioniert: Die Gesellschaft hat sich daran gewöhnt, dass es männliche und weibliche Führungsstile gibt. Und McKinsey hat mit der Women Matter- Studie 2008 sogar herausgefunden, dass Unternehmen, die gemischtgeschlechtlich geführt werden, mehr Umsatz machen.