Von: Justus. Re: Re: Re: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Warum machen Frauen nicht einfach nach der Babypause Karriere?

Von: Inge. Re: Re: Re: Re: Mit dem ersten Kind ändert sich alles

Wir brauchen eine Revolution in der Arbeitswelt
Inge Kutter

 Lieber Justus, weil die Kinder nach der Babypause immer noch da sind – und dann sind sie meistens Frauensache. Die meisten Männer arbeiten Vollzeit. Die Frauen arbeiten etwas weniger und kümmern sich außerdem um Kinder und Haushalt. Ich kenne einige junge Mütter, die den kompletten Haushalt zusätzlich zu ihrem Job machen. Unter dieser Doppelbelastung leiden Frauen so sehr, dass sie stärker Burn-out-gefährdet sind als die Männer. Gleichzeitig können sie im Beruf kaum aufsteigen: Unternehmen dulden keine Chefs, die um Punkt 18 Uhr das Kind aus der Kita abholen müssen, in Teilzeit arbeiten oder sich freinehmen, weil das Kind Schnupfen hat. Ob sie nun männlich oder weiblich sind. Das muss sich ändern! Damit Männer und Frauen sowohl Karriere als auch Kinder haben können, brauchen wir eine Revolution der Arbeitswelt – für beide Geschlechter. Arbeit muss mobiler werden. Mit Internet und Smartphones wäre es möglich, gelegentlich von zu Hause aus zu arbeiten. Arbeit muss auch flexibler werden. Das bedeutet vor allem, dass nach Leistung bezahlt wird und nicht nach Anwesenheit. Müssen Konferenzen unbedingt noch um acht Uhr abends stattfinden?

Von: Justus. Betreff: Was passieren muss

Liebe Inge, das gesamte öffentliche Leben muss sich ändern. Neulich schickte die Telekom mir einen Techniker, der meinte, er werde "irgendwann zwischen 8 und 16 Uhr" kommen. Und der Stromableser stand am Mittwochnachmittag auf der Matte. In welchem Jahrhundert leben diese Menschen? Denken die, bei mir wohnt eine Hausfrau, die sich freut, wenn sie vorbeischauen, und die ihnen die Tür aufmacht? Das Gleiche gilt für die Kinderbetreuung: Bisher gibt es gerade einmal für jedes fünfte Kleinkind einen Krippenplatz, bis 2012 soll ein Drittel aller Kleinkinder versorgt werden.

Von: Inge. Re: Was passieren muss

Mein Traum ist aber nicht, dass alle nur noch arbeiten und die Kinder von morgens bis nachts in die Kita stecken. Stattdessen muss die Zeit so aufgeteilt werden, dass jeder mehr vom Leben hat. Dass Frauen Beruf und Familie haben. Dass Männer Beruf und Familie haben. Dass Kinder mit Müttern und Vätern aufwachsen.

Von: Justus. Re: Re: Was passieren muss

Liebe Inge, einverstanden. Alles hängt von der Balance zwischen Familie und Beruf ab. Aber: Wenn du plötzlich Mitte 30 bist und die Probleme da sind, dann ist es zu spät. Wer ein modernes Leben führen will, muss schon früher die Weichen richtig stellen, schon an der Uni. Frauen müssen auch Informatik studieren, Männer auch Grundschullehramt. Frauen müssen überlegen, ob sie den BWL-Studenten mit iPhone haben wollen oder den Soziologen, der kochen kann; Männer, ob sie das kleine Püppchen suchen oder die selbstbewusste Ingenieurin, die im Restaurant die Rechnung bezahlt. Und beide müssen schon bei der Bewerbung klarmachen, dass sie von einem Unternehmen erwarten, dass es familienfreundlich ist.

Von: Inge. Re: Re: Re: Was passieren muss

Klingt eigentlich ganz einfach. Es müsste halt nur mal jemand machen.

Klicken Sie auf das Bild, um auf die Seite des Magazins zu gelangen © ZEIT Campus

Justus Bender, 28, hat in seinem Leben schon über 1000 Euro ausgegeben, um Frauen zum Essen einzuladen, und würde auch gerne mal die Tür aufgehalten bekommen. Inge Kutter, 29, hat schon einen Tanzkurs mit einem kleineren Mann gemacht und mindestens zehn Karriereratgeber für Frauen gelesen.  

Ganz anderer Meinung? Diskutieren Sie weiter unter www.zeit.de/campus/mannundfrau