Lea Heursen ist in Berlin aufgewachsen, von dort bis zum Inselstaat Palau sind es etwa 11.362 Kilometer. Seine 356 Inseln liegen ein Stück östlich von den Philippinen im Pazifik, nur 20.000 Menschen wohnen dort, und Lea hat den Staat noch nie in ihrem Leben betreten. Trotzdem saß sie einige Monate lang für Palau in der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Seit einem Jahr schickt die amerikanische Nichtregierungsorganisation Islands First auch deutsche Studenten und Referendare nach New York, wo sie als Praktikanten für die UN-Missionen der Small Island Developing States arbeiten. Dazu gehören pazifische Inselstaaten wie Fidschi, Tuvalu oder Nauru; winzige Länder, die oft große wirtschaftliche Probleme haben, besonders stark vom Klimawandel betroffen sind und sich nur wenige Mitarbeiter in New York leisten können. Die Praktikanten besuchen die Vollversammlungen, in denen mitunter Obama oder Gadhafi reden, stimmen im Namen ihres Inselstaates ab, schreiben Zusammenfassungen und Strategiepapiere.

Weil Lea Politikwissenschaft und VWL studiert, wurde sie als wirtschaftliche Beraterin für Palau eingesetzt. Sie hat sich mit Entwicklungsfragen und der Energieversorgung beschäftigt; über Details ihrer Arbeit darf sie nicht sprechen. Dass sie Papiere verfasste, die im Parlament in Palau diskutiert wurden, erschien ihr manchmal seltsam. "Ich habe hinzugefügt, dass das meine Sichtweise ist, und versucht, differenzierte Einschätzungen abzugeben."

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Die Inselstaaten schicken Ausländer zu den UN, weil sie sich eigene Vertreter nicht leisten können. "Unser Ziel ist, auch Studenten aus Heimatstaaten einen Aufenthalt in New York zu ermöglichen, aber dafür fehlen unserer kleinen NGO die Mittel", sagt Matthias Bergmann von Islands First. Ein Nachteil auch für deutsche Praktikanten: Ihren Aufenthalt in New York müssen sie selbst finanzieren. Dafür ist das Praktikum unbezahlbar.