ZEIT Campus: Werden Sie oft angesprochen?

Langhans: Es geht. Neulich kam ich in München aus dem Supermarkt, da sagte ein Mann zu seiner Frau: »Guck mal, der Mann da – der hat noch nie in seinem Leben gearbeitet!«

ZEIT Campus: Verletzt Sie so was?

Langhans: Nein, das sagen die Leute seit 40 Jahren. Aber ich lebe nicht von Sozialhilfe und schulde niemandem etwas. Aus meiner Zeit als Soldat bekomme ich 197 Euro Rente, und ein bisschen verdiene ich mit Vorträgen und Büchern. Ich lebe sehr bescheiden, kein Kino, keine Restaurants.

ZEIT Campus: Sie waren beim Militär?

Langhans: Ja, ich habe Wehrdienst geleistet und danach eine Offiziersausbildung gemacht. Ich war Truppenführer. Wir haben im Gelände den Dritten Weltkrieg geprobt, mit Rauchbomben, die Pilze machten wie kleine Atombömbchen.

ZEIT Campus: Was für ein Bild: der Kommunarde mit Maschinengewehr vor einem Atompilz.

Langhans: Das hat mich gelehrt, dass Krieg nicht geht. Ansonsten war die Soldatenzeit aber kein Widerspruch. Ich habe mein ganzes Leben in Kommunen gelebt. Erst mit drei Geschwistern daheim, dann im Internat, bei der Bundeswehr und schließlich in der Kommune.

ZEIT Campus: Angeblich leben Sie heute mit einem Harem von fünf Frauen in München.

Langhans: Ich wohne alleine, in einer kleinen Wohnung mit weißen Wänden und einer Matratze auf dem Boden. Was die Leute »Harem« nennen, ist seit 35 Jahren meine Wahlfamilie, ein sehr intimer Kreis von Menschen. Das geht über körperliche Liebe weit hinaus.

ZEIT Campus: Sie haben immer provoziert mit Ihrer Lebensform. Was sagen Sie eigentlich Leuten, die Sie für einen Spinner halten?

Langhans: Ich bin ein Spinner!

ZEIT Campus: Jetzt kokettieren Sie aber.

Langhans: Nein! Ich bin wirklich ein Spinner! Aber wenn Sie mich fragen, dann spinnen die anderen Leute noch viel mehr. Vor 1968 dachte ich immer, ich wäre krank, dann habe ich gemerkt: Die anderen sind es.

Mit ZEIT Campus kehren Prominente an ihre alte Uni zurück. Alle Gespräche zum Nachlesen, etwa mit Eckart von Hirschhausen , gibt es in unserer Serie