"Gestalten Sie Ihr Profil!" – Seite 1

ZEIT CAMPUS:  Herr Eck, wenn man Sie googelt , erfährt man beim ersten Treffer, dass Sie Kommunikationsberater sind. Es folgen weitere seriöse Einträge, und die Landbäckerei gleichen Namens taucht erst nach neun Seiten auf. Wie haben Sie das geschafft?

Klaus Eck: Ich habe den Namen meiner Frau angenommen und so meine digitale Vergangenheit beseitigt. Dann habe ich konsequent Social Media gemacht. Das heißt, ich habe mir Profile angelegt und selbst dauernd Inhalte produziert. Jeder kann an dem Bild mitwirken, das das Internet von ihm vermittelt.

ZEIT CAMPUS: Muss ich als Student schon darauf achten, wie ich online dastehe?

Eck: Wenn Sie einen Job haben wollen, schon. Es ist kein Mythos, dass Personaler sich das StudiVZ-Profil ausdrucken. Überlegen Sie doch mal, was Sie machen, wenn Sie ein Date haben: Da gucken Sie doch auch vorher nach, was über die Person im Netz steht. Die gute Botschaft ist: Fast jeder schaut sich nur die ersten zehn Treffer an, maximal die ersten 30. An denen müssen Sie arbeiten. Gestalten Sie Ihr Online-Profil!

ZEIT CAMPUS: Wann muss ich damit anfangen?

Eck: Sich zwei Semester vor dem Studienabschluss darum zu kümmern reicht völlig. Wenn Sie konsequent an Ihrer Online-Reputation arbeiten, schaffen Sie es, diese innerhalb weniger Wochen oder Monate deutlich zu verbessern.

ZEIT CAMPUS: Sich selbst zu googeln ist den meisten Menschen peinlich.

 "Legen Sie gezielt Profile an"

Eck: Macht aber jeder – das heißt ja nichts anderes, als dass Sie schauen, wie Sie dastehen und wie Sie sich präsentieren. Schauspieler gucken sich ihre Filme schließlich auch an.

ZEIT CAMPUS: Und wenn ich auf der ersten Seite gleich einen Treffer von der Erstsemesterparty habe, der – nun ja – eher unseriös wirkt?

Eck: Dann müssen Sie dafür sorgen, dass er nach hinten verdrängt wird. Dazu legen Sie gezielt Profile an, die, wenn Sie jemand sucht, weit vorne landen. Xing ist zum Beispiel sehr gut für Suchmaschinen optimiert. Mit einem Xing-Profil verdrängen Sie sofort einen anderen Treffer nach hinten. Genauso können Sie mit Facebook oder Twitter vorgehen. Wenn Sie Müller oder Meyer heißen, sollten Sie darüber nachdenken, sich ein Mittelinitial zuzulegen, durch das Sie eindeutig identifizierbar sind. Sonst werden Sie vielleicht mit einem Namensvetter verwechselt, der weniger positiv dasteht.

ZEIT CAMPUS: Kostet es nicht wahnsinnig viel Zeit, mehrere verschiedene Profile zu pflegen?

Eck: Es gibt statische und dynamische Profile. In einem statischen Profil stehen erst einmal nur Ihre Daten, das müssen Sie einmal einrichten, damit hat es sich. Wenn Sie Profile verwenden, um darüber zu kommunizieren und Kontakte zu knüpfen, ist das eine andere Sache. Dann geht es um ein Soziales Netzwerk . Wer im Kommunikationsbereich arbeiten möchte, kommt daran kaum vorbei. Ingenieure und Mediziner entscheiden sich vielleicht eher für statische Profile.

ZEIT CAMPUS: Kann ich mich online auch präsentieren, ohne in einem sozialen Netzwerk zu sein?

Eck: Eine gute Möglichkeit ist, einen Eintrag in einem Blog bei einem potenziellen Arbeitgeber zu hinterlassen. Wenn Sie zum Beispiel ein Praktikum bei Daimler machen möchten, schreiben Sie doch ein halbes Jahr vorher einen Kommentar mit einer gut durchdachten Meinung zu einem Fachthema, in dem Sie sich wirklich auskennen. Wenn Sie Glück haben, werden Sie damit gefunden und zeigen so Ihr ernsthaftes Interesse an der Firma.

 "Bloggen Sie über Ihre Erfahrungen"

ZEIT CAMPUS: Lohnt es sich, selbst ein Blog zu betreiben?

Eck: Dadurch fallen Sie natürlich noch mehr auf. Ein Blog ist aber viel aufwendiger – mit einer Stunde pro Eintrag müssen Sie rechnen. Es sollte auch kein privates Blog sein, sondern ein bestimmtes Thema oder Interessengebiet behandeln. Womöglich ist es auch interessant, wenn Sie über Ihre Studienerfahrungen bloggen. Vielleicht haben Sie sich für ein Referat in ein besonders spannendes Thema eingearbeitet und möchten das weiter ausbauen.

ZEIT CAMPUS: Je mehr ich im Internet aktiv bin, umso mehr weiß vor allem Google über mich. Sollte ich mich davor schützen?

Eck: Das hängt davon ab, was Sie damit erreichen wollen. Google ist die Umweltbedingung, in der wir zurzeit leben. Natürlich müssen Sie keinerlei Google-Tools nutzen, Sie können zum Beispiel alternative Suchmaschinen verwenden. Aber letztlich gehen wir einen mephistophelischen Pakt mit Google ein, weil wir faul sind und den einfachsten Weg der Bedürfnisbefriedigung möchten. Sie erhalten sehr viel Service, mehr Qualität und bessere Treffer, wenn Sie Google erlauben, Ihre Suchen nachzuvollziehen. Wichtig ist, bewusst damit umzugehen, sich zu überlegen: Welche Spuren hinterlasse ich im Netz, und kann ich damit leben oder nicht? Wenn nicht, sollten Sie auch mit alternativen Produkten arbeiten .

ZEIT CAMPUS: Was ist eigentlich, wenn ich gar keine Spuren im Internet hinterlasse?

Eck: In den USA würde man Sie fragen, ob Sie im Knast waren oder unter welchem Pseudonym Sie sich im Netz bewegen. Es kommt heute niemand daran vorbei, sich mit seinem Online-Auftritt zu beschäftigen – gerade beim Berufseinstieg. Und Sie können das Web 2.0 ja auch effektiv für Ihr Studium nutzen.

ZEIT CAMPUS: Wie zum Beispiel?

 "Einfach auch mal das Handy abschalten"

Eck: Sie können dadurch viel einfacher in großen Gruppen kommunizieren – über Chat-Funktionen zum Beispiel. Facebook wird auch immer stärker dafür eingesetzt, Studieninhalte zu besprechen und Events zu managen. Terminabsprachen kommen ebenfalls immer öfter übers Internet zustande, Präsentationen werden online erstellt und große Datenmengen ausgetauscht. Oder Sie organisieren sich gleich via Smartphone.

ZEIT CAMPUS: Für diese Handys, die gleichzeitig Organizer sind, gibt es inzwischen jede Menge Zusatzprogramme…

Eck: …auch Apps genannt, genau. Viele Dinge kann man dadurch einfacher erledigen, man kommt zum Beispiel viel schneller an Informationen. Oder Sie machen sich mit dem Smartphone Notizen und entwickeln diese später am PC weiter.

ZEIT CAMPUS: Das heißt, ich brauche ein Smartphone?

Eck: Natürlich braucht das nicht jeder. Letztlich ist es ein Arbeitsinstrument wie jedes andere, aber es erleichtert vieles. Wenn Sie damit allerdings im Seminar alberne Spiele zocken, kann es auch negative Auswirkungen haben.

ZEIT CAMPUS: Bei der Vorstellung, immer überall vernetzt zu sein, schwirrt vielen der Kopf.

Eck: Was unbedingt dazugehört, ist eine Kommunikationskultur des Abschaltens. Ich mache mein Handy meistens ab 18 Uhr aus. Und das Internet habe ich normalerweise abends auch nicht mehr an.

Das Interview führte Johanna Schoener

Dieser Artikel ist Teil eines siebenseitigen CAMPUS-Service-Spezials zum Thema Internet und Handy.