Lektor Wolfgang Farkas (links) diskutiert mit der Autorin Lola Arias, während sein Kollege Hendrik Rohlf ein Manuskript lektoriert © Julian Röder/Ostkreuz

Auch ohne die Einsamkeit ist das Autoren- dasein hart genug. "Die wenigsten Autoren können vom Schreiben leben", sagt Dietger Pforte, der sich als Vorsitzender der Deutschen Schillerstiftung um die Förderung von Autoren kümmert. "Großverdiener wie Günter Grass sind die absolute Ausnahme." Die Masse lebe von anderen Berufen; die zehn Prozent, die sich tatsächlich schreibend über Wasser hielten, täten dies sehr sparsam mit etwa 2000 Euro brutto im Monat. Die Einnahmen sind eben begrenzt: Von einem Buch bekommt ein Autor im Schnitt zehn Prozent; bei einem Verkaufspreis von rund 20 Euro sind das 2 Euro mal Auflagenhöhe. Bei Blumenbar liegen die Auflagen bei rund 3000 Stück. Wenn ein Buch gut läuft, wird es nachgedruckt, wenn es sehr gut läuft, folgt eine Taschenbuchausgabe.

Solange das Buch im Gespräch und im Handel ist – und das ist es etwa ein Jahr lang –, kann sein Autor auch durch Lesereisen und Auftritte bei Veranstaltungen Geld verdienen. Und dann gibt es noch die Stipendien, die meist mit 1000 bis 2000 Euro monatlich für einen begrenzten Zeitraum dotiert sind. "Sie können helfen, sich eine Auszeit zu nehmen, um ein Manuskript fertig zu machen – eine Lebensgrundlage sind sie nicht", sagt Pforte. Jedem Studenten, der vom eigenen Buch träumt, rät er daher: "Machen Sie bloß Ihr Studium fertig und suchen Sie sich erst einmal einen Job!"

Lola Arias finanziert sich seit ein paar Jahren aus der Mischung von Theaterinszenierungen und Buchveröffentlichungen und muss keinen Spanischunterricht mehr geben. "I am not rich, but I do what I want and that is a privilege", sagt sie mit ihrem energischen spanischen Akzent. Es ist ein Leben von Projekt zu Projekt. In diesem Jahr steht noch ein Festival in Berlin an, die Buchpräsentationen – und dann mal sehen.

Ein paar U-Bahn-Stationen entfernt am Prenzlauer Berg haben Chrish Klose und Tine Gundelach ihr Studio Grau in einem Künstlerhaus eingerichtet. Während Farkas und Arias noch über die Reihenfolge der Texte diskutieren, ist das Cover des Buches längst fertig, und Gundelach sitzt vor ihren zwei Bildschirmen wieder einmal an einem der "Brotjobs", einer Kundenbroschüre für ein Unternehmen. Studio Grau macht die Gestaltung für den Blumenbar Verlag, neben anderen, manchmal weniger künstlerischen Aufträgen, die dafür mehr Geld einbringen. Von dieser Mischkalkulation leben sie – "nicht wie angestellte Grafiker in Stuttgart, aber für Berliner Verhältnisse gut".

Die Grafikerinnen Tine Gundelach und Chrish Klose © Julian Röder/Ostkreuz

Auch Gestalter haben keinen leichten Stand. Jeder Vierte von ihnen verdient nur 15.000 Euro netto pro Jahr, hat der Berufsverband der deutschen Kommunikationsdesigner (BDG) bei einer Umfrage im Januar festgestellt. Das liege nicht nur an der Wirtschaftskrise und der mangelnden Wertschätzung von Design, sondern auch daran, dass sie sich selbst als Künstler verstünden und sich daher wenig mit den wirtschaftlichen Aspekten ihrer Profession wie Businessplanung und Verhandlungen beschäftigten, sagt Henning Krause, der Präsident des BDG. "Aber das müssen sie unbedingt, schon an der Hochschule!" Schließlich ist rund die Hälfte der Grafiker in Deutschland selbstständig, und spätestens mit vierzig Jahren gibt es kaum noch Alternativen zur eigenen Agentur, denn Firmen bevorzugen junge Grafiker.

Gundelach und Klose können sich inzwischen gar nicht mehr vorstellen, angestellt zu sein. Da sie zu zweit sind, kann jede von ihnen auch einmal Urlaub machen, ohne die Sorge, dass in der Zwischenzeit Aufträge liegen blieben oder wegbrächen. Die beiden denken sogar darüber nach, ihr Studio auszubauen; derzeit arbeiten bereits zwei Praktikanten bei ihnen.

Für ein Buchcover brauchen die Grafikerinnen mindestens zwei Wochen, eigentlich lieber drei. "›Macht doch mal schnell…‹ – das kann ich gar nicht hören", sagt Chrish Klose. "Man kann nicht mal schnell kreativ sein." Die Inspiration zu Liebe ist ein Heckenschütze war ein Album, das Lola Arias noch in Buenos Aires aufgenommen hatte – auf der lilafarbenen Hülle ist die schwarze Silhouette eines Mädchens auf einem Pferd abgebildet. Eins zu eins übernommen wurde sie nicht, sie musste erst "verblumenbarisiert" werden. Wichtig sind dabei "die richtige Farbkombi", "die richtige Typo" – "ach, der Blumenbar-Stil, das sind einfach wir beide", sagt Klose, die bereits das allererste Buch für den Verlag designt hat, bei dem es auch schon darum ging, sich von allem Vorhandenen abzuheben, durch Illustrationen, die damals noch selten waren, und den Verzicht auf einen Schutzumschlag. Die Bücher des neuen Verlages mussten auffallen, um nicht unterzugehen – und das hat funktioniert.